Ego te absolvo oder sich selbst erfüllende Sprache

Binet

Das ist noch nicht „Die siebte Sprachfunktion“, auf die ich schon sehr gespannt bin. Wir sind erst auf Seite 275 des Romans von Laurent Binet in der Übersetzung von Kristian Wachinger.

In der französischen Originalausgabe „La septième fonction du langage“ lautet diese Passage wie folgt.

Eco ne prétend pas que la fonction „magique“ existe à proprement parler et cependant on pourrait sans doute lui trouver, dans le prolongement des travaux de Jakobson, quelque chose qui s’en inspire.

Austin, un philosophe britannique, a en effet théorisé une autre fonction du langage qu’il a baptisée „performative“ et qu’on peut résumer par la formule: „Quand dire, c’est faire.“

Il s’agit de la capacité qu’ont certains énoncés de réaliser (Eco dit „actualiser“) ce qu’ils énoncent par le fait même de l’énoncer. Par example, lorsque le maire dit „je vous déclare mari et femme“, ou lorsque le suzerain adoube en prononçant les mots „je te fais chevalier“, ou lorsque le juge dit „je vous condamne“, ou encore lorsque le président de l’assemblée dit „je déclare l’assemblée ouverte“, ou simplement quand on dit à quelqu’un „je te le promets“, c’est le fait même de prononcer ces phrases qui fait advenir ce qu’elles énoncent.

D’une certaine manière, c’est le principe de la formule magique, la „fonction magique“ de Jakobson.

Lustige Fehler

435 Header

Grieskram

Muntermonika

Spiessroutenlauf

Narbenschaltung

Aus dem Stehgreif

Montezuma-Schule

Nach mir der Teufel

Ein abgekatertes Spiel

Hanebücherner Unsinn

Aufs Geradewohl hinaus

Gutgemeinte Radschläge

Das dritte Rad am Wagen

Eine zweischneidige Frage

Mund-zu-Mund-Propaganda

Ohren auf Halbachtstellung

Den Zahn der Zeit getroffen

Die sitzen ja am längeren Ast

In die Fussstapfen reintreten

Blamiert bis auf Strich und Faden

Ich lasse mich nicht rumkrempeln

Auf die goldene Waagschale legen

So ein Vollidiot, ein echter Crouton

Die wollte mich in den Kakao ziehen

Der steht doch unter ihrem Scheffel

Staunen Sie keine Bauklötze in die Luft

Ein Teufelskreis, der sich hochschaukelt

Jeden Wunsch von den Lippen abgelesen

Wir sind dann auf offene Türen gestossen

Mit 16 hängt das Leben noch voller Geigen

Der kann seine Zügel nicht im Zaum halten

Wir sind eine eingeschweisste Gemeinschaft

Dann ist mir irgendwann der Senkel geplatzt

Und dann ist die Sache aus dem Ufer gelaufen

Er hat mich sitzengelassen. Dann stand ich da.

Andere würden sich die Hände davon ablecken

Wir werden es von allen Fasetten aus beleuchten

Da will sich doch keine Krähe ein Auge ausstechen

Das kann man nicht einfach unter den Tisch kehren

Ich wollte nicht, dass ein falsches Bild auf mich fällt

Eine Abtreibung wäre für mich nie übers Herz gekommen

Das kriegen wir doch schon mit der Muttermilch eingebläut

Ich werd‘ doch mein Leben nicht komplett den Bach runter werfen

 

Meine Meistgelesenen bei twoday.net

Anzahl Datum Titel Autor
1 1846872 17.08.07 Weihrauch ist gesund Schreibman
2 26466 04.06.06 Heiligenbilder Schreibman
3 10480 31.05.06 Karneval im Vatikan Schreibman
4 10182 10.08.07 In memoriam Schreibman
5 8401 11.02.07 Männer und Schuhe Schreibman
6 7064 23.07.06 Montaigne Schreibman
7 6811 08.03.06 Mut Schreibman
8 6224 18.01.06 Vom Leder Schreibman
9 5831 16.07.09 Lady Godiva Schreibman
10 5745 09.11.09 Natalie Thomann for Miss Internet! Schreibman
11 5284 30.04.06 Montags nie Schreibman
12 4875 14.10.10 Schpunz oder Der Weihnachtsmann ist ein alter Drecksack Schreibman
13 4503 16.03.06 Karambolage Schreibman
14 3260 10.01.11 Mythen des Alltags Schreibman
15 2790 08.06.10 Büscheich Schreibman
16 2787 16.01.12 Notizen Schreibman
17 2584 01.08.10 Familientreffen Schreibman
18 2144 18.03.10 Mein längster Freund Schreibman
19 2078 03.06.11 Lilli und der Kern der Dinge Schreibman
20 2047 12.01.11 Der geheimnisvolle Papierkorb (Teile 3 + 4) Schreibman
21 1814 11.01.11 Der geheimnisvolle Papierkorb (Teile 1 + 2) Schreibman
22 1790 29.09.11 Paris – Offenburg Schreibman
23 1770 23.09.11 Wieder daheim Schreibman
24 1770 21.04.12 Grüsse aus Grindelwald Schreibman
25 1758 11.01.10 Abteilung Wort Schreibman

Meine drei Bücher

Diether Petter - Der Knallkopf
Erhältlich bei Ebay
Diether Petter, Der Knallkopf
Dietrich Urich-Kayser - Schreibmans Kultbuch
Erhältlich bei Amazon
Dietrich Urich-Kayser, Schreibmans Kultbuch
Dietrich Urich - Forts. Ein abgeschlossener Roman
Erhältlich bei epubli
Dietrich Urich, Forts. – Ein abgeschlossener Roman

In „Forts. – Ein abgeschlossener Roman“ verwischen sich die Grenzen zwischen Autor und erzählendem Ich, zwischen dem, der die Geschichte schreibt und einem narrativen Er, der in der Geschichte schreibt. Auch wenn diese Abgrenzungen rein äußerlich durch unterschiedliche Schriftstellungen gekennzeichnet werden, wirken die wechselnden Erzählperspektiven wie ein Eintauchen des Autors in seine eigene Geschichte, ja, fast wie ein Hinein- und wieder Hinausverwandeln in seine eigene Figur – Thiery.

Dieser literarische Kunstgriff macht Gefühlsoffenbarungen möglich, die als „reale Person“ zu zeigen nicht immer leicht wäre. Authentisches wird verarbeitet – das macht die Sache gefährlich, aber auch sympathisch.

Wir kennen den Autor als Vielseitler (Glossen, Textminiaturen, Wortspielereien, Tagebuch, Satire und andere literarische Kleinformen) und nun legt er einen Roman vor, den er als Erotik-Thriller bezeichnet.

Beim ersten Durchblättern wäre das Werk durchaus auch als Regionalkrimi zu verstehen: Es weist einige regionale Referenzen auf, wobei der regionale Bezug durch Ortsnennung und -beschreibung (Schiltach, Schenkenzell) sowie durch typische Veranstaltungen der Gegend vermittelt wird (de Bach na).

Aber zurück zur Erotik, denn sie ist das „große Thema“ des Romans. Beim flüchtigen Lesen drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf: Aha, Männerphantasien halt. Hier beschreibt einer seine Sexträume, Vorstellungen, Wünsche, Gelüste.

Thiery macht sich selbständig mit einer Praxis für Defloration, die Frauen rennen ihm die Türe ein, bringen ihre Töchter vorbei – ja genau, denn es handelt sich hier um einen „zärtlichen Entjungferer“ – er kann sich vor Avancen kaum retten. Eine genüssliche Vorstellung – und welcher Mann geriete da nicht mitten hinein in schwül-warme Luftschlösser? Junge Mädchen, attraktive Damen, Russinnen, Polinnen …

Viel ist von „Ficken“ die Rede … Häufig fühlt sich die Leserin unfreiwillig und etwas peinlich berührt in die Rolle einer Spannerin gedrängt. … es fällt einem ein Zitat aus der „Angstblüte“ von Walser ein: „Es gibt nichts als den Geschlechtsverkehr. Alles andere ist Umweg, Ablenkung, Täuscherei, Betrug“.

Und doch … beim näheren Lesen kommt man ins Grübeln. Es ist von „ironischen Tagträumen“ die Rede, vom „wahren Leben“, das sich „einzig und allein in den Köpfen abspielt“. Und ganz langsam beginnt man, die vorschnell gefasste Meinung zu revidieren. Man liest erneut – und dann auch zwischen den Zeilen.

Neben all diesen Szenen, die dem Programm eines Swinger-Clubs entnommen sein könnten, findet sich ganz zart und sachte so etwas wie Zärtlichkeit, Melancholie, Verletzlichkeit … Vermischungen, Verwischungen – immer wieder. Gesellschaftliche Zwänge werden aufgehoben. Das Leben ist bunt. Dem Leser wird die phantastische Chance geboten, Klischees und Allgemeinplätze beiseite zu schieben, „immer irgendwie über der Wirklichkeit [zu] schweben“.

Altbekanntes wird ins Gegenteil verkehrt (wer hätte schon je den Beruf einer Zuhälterin für möglich gehalten?). Statik der Gedanken wird nicht zugelassen. Alles ist im Fluss. Die Reise nach Südfrankreich, das Hotel in der Provence, Genf, kulinarische Abstecher, Bahnsteige – und immer wieder Sex … es ist ein rundes Buch, eines mit tragischem Ende, wie könnte es bei all der sanften Schwermut auch anders sein? … aber auch eines mit offenem Ende, das versöhnliche Züge trägt.

Das Werk durch eine Nacherzählung näherzubringen, eine Inhaltsangabe anzufertigen, wäre allzu banal. Man muss sich hineinlesen, sich durchlesen, den originellen Stil des Autors auskosten. Was sehr gefallen hat: wenig Selbstmitleid, dafür viel Zynismus und Ironie.

Es ist kein leichtes und kein leichtzunehmendes Buch, keine Unterhaltungslektüre bei laufendem Fernsehapparat. Man muss sich ganz einlassen auf die Geschichte, genau hineinhorchen … und auf keinen Fall auf Vordergründigkeit bestehen. Dann wird sie sich freiwillig erschließen und einem nach anfänglichem Fremdeln doch ans Herz wachsen.

Ich habe das Manuskript in einem herrlichen Blumengarten in der Normandie gelesen. Ein herber, leicht prickelnder Cidre hat sehr gut dazu gepasst. Ein mutiges Buch!

Hat Spaß gemacht, Diether, danke!

Brigitte Stolle, Autorin ( „Bienenstich“ )

—–

„Eine Geschichte, die gar nicht so einfach zu beschreiben ist, aber sie hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Der Protagonist führt mehrere Beziehungen, teils nebeneinander, seltsame, ungewöhnliche, eigennützige Beziehungen, und dennoch wirkt er in all den Turbulenzen sympathisch und liebenswert. In einem ausgesprochen angenehmen Schreibstil folgt man dem Protagonisten von einem Abenteuer zum nächsten. Ein spannender erotischer Kurzroman, der sicherlich für Männer und Frauen gleichermaßen lesenswert ist.“

Amazon-Rezensentin Julie S.

—–

„Der Autor hat einen sehr eigenen soliden Schreibstil, erzählt angenehm direkt, unverblümt und unkompliziert und lässt zwischen den Zeilen genügend Platz für den eigenen Film, der unweigerlich entsteht, sobald man nach wenigen Seiten dem besonderen Reiz dieses Literatur-Zuckerstückchens verfallen ist.“

Amazon-Rezensent Hartmut v. S.

Das zweite Problem

Nachdem mir auf Seite 28 der Kakaofleck passiert war,

Fleck Seite 28

stand auf Seite 77 des Romans „Die siebte Sprachfunktion“ der erste Druckfehler.

Signifikat
in Sgnifikat fehlt ein i

Bin jetzt auf Seite 122. Mal sehen, was mich auf den restlichen 400 noch erwartet.

Kein Problem habe ich mit in Frankreich gern verwendeten Abkürzungen wie

PPDA – Patrick Poivre d’Arvor
BHL – Bernard-Henri Lévy
Nouvel Obs – Nouvel Observateur

Semiotischer Kakaofleck

Roman

Das ist mir noch nie passiert. Dass ich in einem nagelneuen 500-Seiten-Hardcover-Buch einen Fleck mache. Auf Seite 28. Durch den Versuch, ihn wegzuwischen, wurde er eher noch grösser.

Für einen zukünftigen Leser könnte dieser Fleck ein Zeichen sein, das ihn darauf hinweist, dass das Buch von einem nicht sehr reinlichen Leser gelesen wurde. Er macht sich dann also darauf gefasst, bei der weiteren Lektüre auf weitere Flecken, Eselsohren und ähnliche Dinge dieser Art zu stossen.

Die Semiotik befasst sich nicht nur mit Sprache, sondern auch mit Verkehrszeichen und Gesten und überhaupt allem, was nicht nur eine Bedeutung hat, sondern auf etwas hinweist. „Der Mensch ist eine Übersetzungsmaschine und (…) sieht (…) überall Zeichen: in der Farbe des Mantels seiner Frau, in den Kratzern an seiner Autotür, in den Kochgewohnheiten der Wohnungsnachbarn, (…) in der Angewohnheit seines Kollegen im Büro, die beiden oberen Hemdknöpfe offen zu lassen.“

„Nach Barthes bedürfen diese Zeichen gar keiner Signalfunktion mehr: Sie sind Indizien geworden. Eine entscheidende Wandlung. Sie sind überall. Von nun an hat die Semiotik das Zeug, die große weite Welt zu erobern.“

Binet Sprachfunktion

Der französische Poststrukturalist und Semiotiker Roland Barthes verfasste unter anderem den literaturtheoretischen Aufsatz „Der Tod des Autors“ (La mort de l’auteur) und wurde 1980 in Paris unter teilweise ungeklärten Umständen von einem Lieferwagen überfahren.

Auf Seite13 beschreibt der Autor Laurent Binet, wie Barthes „sozusagen das Gegenteil des Höhlengleichnisses“ erlebt, als er beschleunigten Schrittes den Boulevard-Saint-Germain entlanggeht: „Die Welt der Ideen, in der er sich eingeschlossen hat, verdunkelt ihm die wahrnehmbare Welt. Um sich herum sieht er nur Schatten.“

Bin jetzt erst auf Seite 32, wo Kommissar Bayard an einer Ampel steht und einen schwarzen Citroën DS sieht und denkt: „Déesse, die Göttin – das war noch ein richtiges Auto!“

Aber eins weiss ich schon. Werde das Buch nicht verleihen. Möchte schliesslich nicht für Schmuddel-Leser gehalten werden. Gibts auch als E-Book bei Kindle. Garantiert ohne Flecken.

Laurent Binet Die siebte Sprachfunktion