Nur ich, nur jetzt, nur hier

Zuerst hatte ich ja noch überlegt. Sollte ich wirklich 60 Kilometer weit nach Bad Säckingen fahren? Nur um nochmal ins Café Heinritz zu gehen? Ich hatte mich da neulich mit zwei entfernten Verwandten aus Belgien getroffen.

Ich hatte dort eine heisse Schokolade (super!!!) und ein Erdbeer-Schmusi (ebenfalls sehr sehr chic!!!). Und heute hätte ich fast einen Strammen Max gehabt. Es war aber schon Nachmittag, also zu spät für Warmes.

Daher Erdbeer-Becher und wieder so eine heisse Schokolade. Das Wetter war prima (19 Grad). Ich hatte ja nichts anderes zu tun. Ich brauche halt immer irgendein Ziel, kann nicht einfach so losfahren, ohne zu wissen, wohin.

Mit dem Zug wäre das was anderes gewesen. Da entscheidet man sich am Anfang für eine Richtung und dann gehts erst mal immer geradeaus. Nicht so mit dem Auto, wenn man kein Ziel hat. Man muss praktisch permanent und an jeder Abzweigung oder Kreuzung neu entscheiden, ob man die Richtung beibehalten oder ändern will. Das geht garnicht.

Auf dem Hinweg war ich extra über den Autobahnübergang gefahren, um mir endlich die diesjährige Vignette kleben zu lassen.

Vignetten
Die drei oberen habe ich selber geklebt, die drei anderen der jeweilige Zöllner.

Jetzt sass ich also an einem Tisch, allein. Meine Frau war ja nicht mitgekommen, weil sie ihre Familie auf der Alb besucht, und mit den Belgiern war alles geregelt. Ich hatte ihnen als Dolmetscher und Vermittler gedient und habe ihnen die Ferienwohnung in Säckingen besorgt, die sie für sechs Wochen brauchen. Zum Dank hatten sie mir allerlei Süsszeug mitgebracht.

Als ich jetzt heute mit dem Erdbeerbecher fertig war und wartete, bis die Bedienung vorbeikam, bei der ich bezahlen wollte, stand ein paar Tische weiter ein Mann auf, um das Lokal zu verlassen. Als er an mir vorbeikam, streifte mich kurz sein leerer Blick. Er kam mir wesentlich älter vor als ich, also einfach ziemlich alt. Wahrscheinlich war er genauso alt wie ich. Aber mache ich so ein Gesicht?

Für ihn schien alles normal und langweilig zu sein. Er machte nicht gerade den Eindruck eines Genussmenschen. Was machte er in diesem Café, für das ich so weit gefahren war?

Café Heinritz
Ich hatte einen Parkplatz direkt gegenüber vom Café Heinritz.

Auch die anderen Leute im Café schienen das alles normal zu finden, dass sie da sassen, allein oder mit anderen, in Gedanken oder Gespräche vertieft.

Nur für mich war mal wieder alles was ganz Besonderes.

Danke fürs Lesen.

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