Schöne Geschichte, Sohnemann

Um es mal mit eigenen Worten zu sagen, was in Belgien durch die Presse ging.

Bastian wohnt mit seiner Familie in Wavre-Profondsart, knapp 15 km südlich von Brüssel. Ganz knapp. Denn wie er mittels Google Maps ermittelte, waren es von Bahnhof zu Bahnhof genau 14,6 km.

Das hatte die belgische Bahngesellschaft übersehen. Sie gibt für alle Bruxelles-Pendler innerhalb eines Radius‘ von 15 km eine Ermässigungskarte („Key Card“) aus. Und hatte Profondsart einfach nicht mit einberechnet.

Bastian Petter
Bastian Petter

Mein Sohn ist bei den Grünen („Écolo“) und veranlasste die Bahn mit Eingaben und Infokampagnen dazu, auch das Örtchen Profondsart in diesen Tarif einzubeziehen.

Und so wissen nun alle Nachbarn, Einwohner und Pendler von Profondsart, wem sie es zu verdanken haben, dass sie den vergünstigten Pendlertarif geniessen.

Profondsart

Zwei Fotos

Drei Kinder
Meine Kinder Candy, Bastian und Salomé an Christi Himmelfahrt in Belgien
Hélécine
Oma und Opa mit Enkelinnen Lison und Mila, vorgestern in der Provinzdomäne Hélécine, fotografiert von Bastian

Worte am Sonntag

Soeben eine schöne Stelle in Martin Walsers Buch „Statt etwas oder Der letzte Rank“ gelesen. Kurz überlegt, ob ich sie abschreiben oder scannen und posten möchte.

Dann erst mal weiter gelesen, ohne die Stelle zu markieren. Nochmal überlegt. Weitergelesen und umgeblättert. Dachte „Die Stelle ist auf der vorigen Seite, Anfang von Kapitel 40, das kann ich mir leicht merken.“ Dann doch aufgestanden und mich an den Schreibtisch gesetzt, um sie abzuschreiben.

Scannen wäre einfach zu grob gewesen.

Ich musste einmal hinfahren zu der Stelle, an der von der Haupstraße ein Sträßchen, ein Nebenweg, hinauf zum Waldrand führt. Ich konnte mir das nicht mehr vorstellen, nicht genau: Also fuhr ich hin, bog selber in den Weg ab und fuhr hinauf bis zum Waldrand, hielt, stieg aus und genoss es, jetzt zu wissen, was ich hatte wieder wissen wollen. Diese Stelle war einmal in meinem Leben wichtig geworden. Darum das Bedürfnis, die Stelle noch einmal zu sehen, genauer zu sehen. Jetzt war ich ausgesöhnt. Nichts mehr in mir konnte immer wieder sagen: Fahr doch mal hin.

Gruss aus Tirol

Montag sind wir über Zürich, St. Gallen und Bregenz nach Österreich gefahren. Der Arlbergtunnel war gesperrt, so dass wir übern Arlbergpass fahren mussten, wo Schnee lag und es auch noch bissle schneite. Fast hätte ich Schneeketten aufziehen müssen, auf meine Sommerreifen. Aber nur fast.

Über St. Anton gings dann über die Inntalautobahn und durch zahlreiche Tunnel bis nach Innsbruck und von dort zum 900 Meter hoch gelegenen Achensee. Auf diesem machen wir gerade eine zweistündige Rundfahrt, während ich dieses schreibe, in Gesellschaft einer Busladung von Ossi-Rentnern. Naja, Rentner bin ich ja auch schon fast. Aber nur fast.

Mittwoch  soll das Wetter ja besser werden. Ist es inzwischen auch geworden. Und zwar eindeutig.

Fotos: http://www.flickr.com/photos/schreibman/

Freuden

Da ich ja jetzt das Rentenalter erreicht habe, denke ich schon seit einiger Zeit öfter drüber nach, was ich noch anstreben will und worauf ich mich freuen könnte.

Im Moment warte ich auf den genauen Rentenbescheid. Wenn ich ihn dann gekriegt haben werde, werde ich kurz eine bessere oder schlechtere Stimmung haben, je nachdem, ob er höher oder niedriger ausfällt als erwartet. Was meine zwanzig Jahre Arbeit in Belgien betrifft, habe ich nämlich überhaupt noch keine diesbezüglichen Informationen.

Freuen kann ich mich auf unseren Kurzurlaub in Tirol, ein Wochenende in der Familie meiner Frau und eins in meiner Familie, alles noch in diesem Monat. Und ich habe einen neuen Schreibtischstuhl, auf den ich mich seit einigen Tagen gefreut habe. Er ist gestern angekommen und noch nicht zusammengebaut.

Ich freue mich auch auf ein neues gebrauchtes Auto, das ich mir vielleicht noch in diesem Jahr kaufe, je nachdem wie lange der Chrysler mir noch treu bleibt mit seinen 162.000 Kilometern.

Was solche Vorfreude betrifft, weiss ich seit einiger Zeit definitiv, dass sie die schönste Freude ist. Sie hält auf jeden Fall länger an als die, die man im Moment der Inanspruchnahme des erreichten Reiseziels oder des grünen Sessels empfindet.

Man setzt sich rein, sagt sich, dass man gut drin sitzt und dass er gut aussieht, und dann beginnen wieder tausend Tage.

Wobei auch das nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher mal.

Ohne Titel

Freier innerer Monolog

Als ich heute nachmittag am Steuer meines Wagens sass, hatte ich plötzlich den Gedanken, einem der letzten Geheimnisse der menschlichen sprachlichen Kommunikation auf die Spur zu kommen. Ich erhoffte und wünschte es mir jedenfalls, während ich so über die Landstrasse fuhr.

Ich hatte vom Experiment einer Online-Tagebuchschreiberin gelesen, die ihre Selbstgespräche auf einen Tonträger sprechen wollte oder es sogar schon getan, sie aber noch nicht transkribiert hat. Es muss sich dabei also um Gedanken handeln, die einem so durch den Kopf gehen, die man aber nicht auszusprechen wagt.

Kann man solche Gedanken, die ja keinen Monolog innerhalb eines literarischen Werks darstellen noch einer anderen Person gegenüber ausgesprochen werden sollen, überhaupt authentisch, unverfälscht und direkt formulieren, ohne dass sie in einem Sinnzusammenhang mit irgendeiner zwischenmenschlichen Kommunikation stehen, sondern erst Ausgangspunkt für eine solche werden könnten, wenn sie durch Veröffentlichung zugänglich gemacht werden?

Ich denke ja manchmal so Sätze oder Satzteile vor mich hin, in denen Wörter wie „verdammte Scheisse“ oder politisch unkorrekte Begriffe vorkommen, die ich in keinem Gespräch verwenden würde. Ich kann auch innerlich laut „super!“ rufen, wenn ich an etwas Schönes denke oder mich einfach freue.

Ich weiss nicht, ob ich das jetzt richtig zusammen kriege, was ich sagen will. Wahrscheinlich nicht. Und wenn ja, dann versteht es wieder keiner. Man hält mich vielleicht für verrückt oder genial, und was nützt das?

„Übersetzer ist ein einsamer Beruf“, schrieb neulich einer in einem Thread, wo es um meinen früheren Beruf ging und ich mich dran beteiligt hatte. Da wurde mir plötzlich wieder ganz bewusst, dass ich zwanzig Jahre lang einen einsamen Beruf ausgeübt hatte. Der ist nämlich noch einsamer als der des Schriftstellers, dessen Werke seinen Namen tragen und der etwas darstellt.

Ich dagegen habe gelernt, einsam zu denken und Sätze niederzuschreiben. Ob das wirklich möglich ist, Selbstgespräche originalgetreu aufzuschreiben? Mist es gelingt mir nicht. Ich könnte ja wenigstens mal üben. Aber das geht sicher nicht, jedenfalls nicht so wie ich mir das vorstelle.

Obwohl, ich habe ja jetzt schon mal einen Anfang gemacht. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Ich glaube, hier gibt es noch einiges zu erforschen. Die Art von Text, die ich mir vorstelle, nenne ich jetzt mal „Freier innerer Monolog“. Scheisse. Ich bin sicher, dass es mir nicht gelungen ist, zu erklären, was ich meine.

Egal, ich mache weiter.