Freier innerer Monolog

Als ich heute nachmittag am Steuer meines Wagens sass, hatte ich plötzlich den Gedanken, einem der letzten Geheimnisse der menschlichen sprachlichen Kommunikation auf die Spur zu kommen. Ich erhoffte und wünschte es mir jedenfalls, während ich so über die Landstrasse fuhr.

Ich hatte vom Experiment einer Online-Tagebuchschreiberin gelesen, die ihre Selbstgespräche auf einen Tonträger sprechen wollte oder es sogar schon getan, sie aber noch nicht transkribiert hat. Es muss sich dabei also um Gedanken handeln, die einem so durch den Kopf gehen, die man aber nicht auszusprechen wagt.

Kann man solche Gedanken, die ja keinen Monolog innerhalb eines literarischen Werks darstellen noch einer anderen Person gegenüber ausgesprochen werden sollen, überhaupt authentisch, unverfälscht und direkt formulieren, ohne dass sie in einem Sinnzusammenhang mit irgendeiner zwischenmenschlichen Kommunikation stehen, sondern erst Ausgangspunkt für eine solche werden könnten, wenn sie durch Veröffentlichung zugänglich gemacht werden?

Ich denke ja manchmal so Sätze oder Satzteile vor mich hin, in denen Wörter wie „verdammte Scheisse“ oder politisch unkorrekte Begriffe vorkommen, die ich in keinem Gespräch verwenden würde. Ich kann auch innerlich laut „super!“ rufen, wenn ich an etwas Schönes denke oder mich einfach freue.

Ich weiss nicht, ob ich das jetzt richtig zusammen kriege, was ich sagen will. Wahrscheinlich nicht. Und wenn ja, dann versteht es wieder keiner. Man hält mich vielleicht für verrückt oder genial, und was nützt das?

„Übersetzer ist ein einsamer Beruf“, schrieb neulich einer in einem Thread, wo es um meinen früheren Beruf ging und ich mich dran beteiligt hatte. Da wurde mir plötzlich wieder ganz bewusst, dass ich zwanzig Jahre lang einen einsamen Beruf ausgeübt hatte. Der ist nämlich noch einsamer als der des Schriftstellers, dessen Werke seinen Namen tragen und der etwas darstellt.

Ich dagegen habe gelernt, einsam zu denken und Sätze niederzuschreiben. Ob das wirklich möglich ist, Selbstgespräche originalgetreu aufzuschreiben? Mist es gelingt mir nicht. Ich könnte ja wenigstens mal üben. Aber das geht sicher nicht, jedenfalls nicht so wie ich mir das vorstelle.

Obwohl, ich habe ja jetzt schon mal einen Anfang gemacht. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Ich glaube, hier gibt es noch einiges zu erforschen. Die Art von Text, die ich mir vorstelle, nenne ich jetzt mal „Freier innerer Monolog“. Scheisse. Ich bin sicher, dass es mir nicht gelungen ist, zu erklären, was ich meine.

Egal, ich mache weiter.

3 Gedanken zu “Freier innerer Monolog

  1. Ich mag diese Überlegungen.
    Meine Wortfetzen, die ich nicht schreibe, sondern nur im Selbstgespräch, im Selbstdenken, immer wieder – wenn auch nicht so häufig wie früher – bilde, fangen immer mit den Worten: „unter der Vorraussetzung“ an.
    Wenn ich jetzt darüber nachdenke, bin ich schon immer davon ausgegangen, dass alles was ich denke, das Resultat früherer Gedanken ist.

    Gefällt 1 Person

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