Meine Füsse sind der Fussballerin zu blöd

Kommunikationsprobleme und Ende eines Chats zwischen A. und mir.

Sie, von der ich keinerlei Foto habe, hat nach eigenen Angaben Literaturwissenschaft studiert, ist 59 Jahre alt, glücklich verheiratet und für eine Schulbehörde tätig, vermutlich als Schulrätin.

Unser unstrukturierter Chat zog sich in kleinen Dosen über etwa sechs Wochen hin. A. hatte ihn begonnen, ebenso wie das Gespräch heute früh.

Sie: Guten Morgen.

Ich: Guten Morgen A.! Bist auf Arbeit?

Sie: Natürlich.

Ich: Ich war gestern bei meiner Fusspflegerin. Meine Füsse sind perfekt, meinte sie.

Sie: Wie schön.

Ich: Klingt ja nicht sehr begeistert. Wir können gerne das Thema wechseln.

Sie: Das ist kein tolles Thema für mich.

Ich: Würde mich interessieren, was für ein Thema toll für Dich ist. Oder worüber Du halt einfach gerne sprichst.

Sie: Füße ganz bestimmt nicht … mehr reisen, Literatur, alltägliches, Fußball.

Ich: Seit ich im Hinterkopf habe, dass ich gerne mal nach Bozen will, treffe ich dauernd Leute, die schon da waren oder im September da hin wollen. Ich glaube ich warte noch ein bisschen, bis wirklich alle da waren, sonst treff ich die da noch.

Sie: Was soll ich nun dazu sagen???????????????????

Ich: Keine Ahnung. Das fiel mir grad zum Thema Alltägliches ein.

Sie: Aha.

Ich: Ja. Fussball hab ich nicht. Literatur ist ein weites Feld, Luise. Interessierst Du Dich für meine Meinungen oder meine Gespräche mit Siegfried Lenz oder Martin Walser? Oder willst Du einfach was von Dir aus sagen statt immer mehr oder weniger einsilbig Dein Desinteresse zu bekunden?

Sie: Ich heiße nicht Luise … du sprichst über Themen, zu denen ich nichts sagen kann … deine Füße, Leute in Bozen. Übrigens muss ich auch arbeiten.

Ich: Du willst doch sicher nicht sagen, dass Du das Luise-Zitat von Fontane nicht kennst.

Sie: Doch, das kenne ich.

Das war’s dann. Ich bin einfach ausgestiegen. Mir fiel nichts mehr ein. Ich hatte keine Lust mehr. Was hätte ich der Anonymen Akademikerin noch sagen sollen? Was wollte sie überhaupt?

3 Gedanken zu “Meine Füsse sind der Fussballerin zu blöd

  1. „Was wollte sie überhaupt?“
    Genau, das hätten Sie sie mal fragen sollen. Ich habe derlei schräge Situationen auch schon erlebt. Schroftlich wie auch mündlich. Und ich bin vorsichtiger geworden seitdem.
    Es ist unglaublich, was manche Menschen so umtreibt, wenn sie aus der virtuellen Welt eines Blogs in der wirklichen Welt mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

    Schöne Grüsse aus dem Bembelland,
    Herr Ärmel

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