Sex am Nacktbadestrand

Das hatten wir schon immer gewollt und heute haben wir’s uns getraut. Das sonnige Wetter lud geradezu dazu ein, unsere erste längere gemeinsame Tour mit E-Bike und E-Scooter Richtung Dreiländereck zu wagen.

Altrhein

Unsere E-Fahrzeuge waren voll geladen und wir starteten Richtung Basel, immer auf dem Radweg am Altrhein entlang. Von daheim bis zum Yachthafen Märkt waren es 23 Kilometer. Dort kehrten wir im Gasthaus „Bootssteg“ ein.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an den „Isteiner Schwellen“ vorbei, die weithin als wilder FKK-Strand bekannt sind. Ich kenne sogar eine Person, die es dort schon mal richtig getrieben hat. Naja, kennen ist übertrieben.

Lilli
Lilli trieb es auf die
Nudistenbeobachtungsplattform

Was mich betrifft, war ich eher bissle

Overdressed
overdressed

Insgesamt haben wir knapp 50 Kilometer gemacht. Lilli eher sportlich und ich eher

Scooter
gemütlich

Achtung Kontrolle

Als wir gestern Mittag um 11:30 Uhr über die deutsch-französische Grenze fuhren, stand ein Mann in Zivil mitten auf der Fahrbahn und signalisierte uns mit Handzeichen, dass wir anhalten sollten.

Ich fuhr langsam auf den Mann zu und sah gleichzeitig, dass auf beiden Seiten der Strasse insgesamt drei uniformierte Soldaten mit Maschinengewehren standen, die sie auf uns gerichtet hielten.

Ich liess die Scheibe runter und der Mensch in Zivil fragte mich, wohin wir wollten. Ich sagte: „Wir fahren nach Kembs, zum Essen, ins Restaurant.“ – „Das ist in Ordnung, dann gute Fahrt!“ sagte er freundlich.

Wir fuhren dann zu unserem kleinen französischen Lieblingsrestaurant und assen als Vorspeise pochiertes Ei mit Pilzen und als Hauptgang gefüllte Perlhühner mit Gratin dauphinois und Rotkohl.

Vorher hatte es als Amuse-gueule, auf Deutsch „Gruss aus der Küche“, eine Miniterrine mit einem Kürbissüppchen gegeben.

Als Nachtisch nahmen wir das Duett der crèmes brulées, die eine klassisch mit Vanille-Geschmack, die andere mit Chicorée / Chicon.

Nachmittags – meine Frau hat ja Urlaub – sahen wir uns eine Folge unserer Lieblingssendung „Achtung Kontrolle“ an.

Und am Abend dachte ich dann noch so: „Naja, das hat ja auch nicht jeder jeden Tag: zuerst in drei Maschinengewehre kucken, bevor es was zu essen gibt.“

Im Interessiert-keine-Sau-was-ich-erzähl-Modus

Achtung, Achtung! Seit kurzem befinde ich mich des öfteren in einem „Interessiert-keine-Sau-was-ich-erzähl“-Modus. Dies äussert sich darin, dass Dinge einfach uninteressant sind, die ich erzähle.

Dabei kann zwischen Fällen unterschieden werden, die man als „Falscher Text am falschen Ort“ bezeichnen könnte, oder von solchen, in denen entweder der Sprecher oder der Zuhörer gerade absolut nicht der richtige ist.

So ist es zum Beispiel manchmal schwer zu entscheiden, womit man anfangen beziehungsweise was man erzählen soll, wenn man einen Kontakt mit jemandem aufbauen will, der einen und den man noch nicht kennt.

Soll man gleich seine ganze Lebensgeschichte erzählen oder nur seine guten Eigenschaften? Geht ja gar nicht. Oder seine schlechten? Wer von Lüge frei ist, der werfe den ersten.

Oder soll man irgend einen typischen Fall herausgreifen, anhand dessen man sich selbst ins richtige Licht rückt? Aber was ist schon typisch? Und überhaupt, wie soll das gehen?

Die ganze Problemlage ist mir erst heute so richtig bewusst geworden. Und das kam so. Wobei das eine nicht unbedingt mit dem anderen zu tun hat. Und es vielleicht noch viel bessere Beispiele gäbe.

Ich war also in der Schweiz in einer Migros. Im Eingangsbereich musste ich an einem Käsestand vorbei, an dem ein junge Frau mit Zahnstochern aufgespiesste Gruyère-Würfel zum Verzehr anbot. Sie schaute mich an und fragte, ob ich mal probieren wolle. Worauf ich freundlich ein „danke“ nickte und weiterging.

Als ich mit dem Einkaufen fertig war, kam ich zum zweiten Mal an diesem Stand vorbei. Unsere Blicke trafen sich wieder. Ich weiss nicht, ob sie es wirklich getan hat oder ob ich mir das jetzt nur im Nachhinein einbilde. Nämlich die Frage gestellt beziehungweise gestellt bekommen zu haben, ob ich es mir nicht doch anders überlegt hätte?

Jedenfalls verstand ich ihren Blick so. Ich sagte dann: „Nein danke, ich kenne den Gruyère-Käse. Ich war sogar schon einmal in der Käserei in Greyerz.“

Und das war doch ein ziemlicher Fehler von mir. Nicht dass ich mal in Greyerz war, sondern dass ich die junge Dame mit dieser „Info“ belästigt habe. Denn das kann und ich möchte sogar sagen muss ihr doch am Allerwertesten vorbeigehen, wo ich irgendwann mal meinen Urlaub verbracht habe.

Ich war, leider erst nachträglich, innerlich ganz auf der Seite der jungen Käseanbieterin. Ich schämte mich fast ein bisschen. Und erfand diesen Begriff vom „Interessiert-keine-Sau-was-ich-zu-erzählen-hab“-Modus.

Ich weiss nicht, wann das alles es begonnen hat und wie es weitergehen oder gar enden wird. Vielleicht bin ich grad mittendrin?

Jedenfalls habe ich schon eine erste Lehre gezogen. Ich fuhr nach dem Einkauf in der Schweiz noch eben rüber nach Sierentz in Frankreich, um im dortigen Hyper U Supermarkt noch ein wenig Pâtisserie zu kaufen. Ich hatte nicht viel in meinem Einkaufswagen und wie es der Zufall wollte, war gerade die Kasse mit den wenigsten Kunden von einer ganz süssen Maus besetzt.

Ich habe sie angeschaut und sie mich und wir hatten sogar beide ein freundliches Lächeln füreinander. Haben aber nur das nötigste gesprochen. Ein reines Geschäftsgespräch sozusagen.

Ich bilde mir sogar ein, dass sie das genossen hat.

Was haben wir eigentlich früher am Sonntag

Vormittags war Kirchgang, das war klar. Man war sonntäglich gekleidet. Mittags gab es einen Sonntagsbraten oder ein sonstwie sonntägliches Essen.

Der Nachmittag war dann der Knackpunkt. Blieb man in der Familie oder hatte jeder etwas anderes zu tun? Dies änderte sich natürlich auch mit der Zeit.

Ich erinnere mich daran, dass ich im Alter von 13 oder 14 Jahren ein Buch mit deutschen Kurzgeschichten seit 1945 hatte, vermutlich vom Bertelsmann Lesering. Nachdem mir die erste Geschichte ganz gut gefallen hatte, beschloss ich, jeden Sonntag eine weitere zu lesen.

Das tat ich dann auch und markierte jeweils nach der Lektüre der Story den Titel im Inhaltsverzeichnis mit Bleistift. Nach welchem System ich bezüglich der Reihenfolge der zu lesenden Geschichten vorgegangen war, weiss ich nicht mehr.

Dann gab es eine Zeit, als ich 10 oder 15 war, da spielten wir jeden Sonntagnachmittag mit den Eltern Doppelkopf. Ein Freund der Familie gehörte mit zur Runde.

Da die Schwester meines Vaters in Solingen wohnte, also immer ziemlich in der Nähe, ob wir nun in Köln oder Wuppertal wohnten, kam sie oft mit ihrer Tante am Sonntagnachmittag zum Kaffee. Manchmal waren es nicht nur zwei sondern sogar drei tolle Tanten und mein Vater schaute ab 17 Uhr regelmäßig auf die Uhr, ob es nun nicht bald vorbei sei mit diesem sonntäglichen Kaffee trinken und Kuchen essen und dem Geschwätz seiner Schwester.

Einmal wollte ich alleine am Sonntagnachmittag ins Kino. Meine Mutter hielt dies nicht für eine gute Idee. Sie meinte, die Leute, die sich Sonntag nachmittags in der Stadt und insbesondere in der Fussgängerzone herumtreiben, seien keine gute Gesellschaft.

Es gab auch Sonntage, die man fast vollständig am Fernseher verbrachte, um alte Heinz-Erhardt- oder noch schlimmere Filme über sich ergehen zu lassen.

Ich erinnere mich noch gut an einen Sonntagnachmittag in England. Ich war für zwei Wochen in einer Gastfamilie und konnte auch ein bisschen tun und lassen was ich wollte. Als ich nachmittags in die Stadt ging, ich glaube es war in Leatherhead, sah ich Jugendliche, die aus meiner Sicht völlig nachlässig alltäglich gekleidet waren und sich in der Stadt rumtrieben. Das war für mich total un-sonntäglich.

Was ist nun heutzutage typisch sonntäglich? Mir scheint dieser Tag hauptsächlich negativ geprägt durch die Tatsache, dass die Geschäfte geschlossen sind.

Spaziergänger mit Hund und Kindern gab es sonntags schon immer. Das war früher nicht mein Ding und ist es auch heute nicht. Trotzdem trifft man mich seit einiger Zeit auch schon mal im Kurpark; das scheint mir aber keine ideale Lösung.

Jetzt gehen wir erst mal zum Mittagessen in unser Lieblingsrestaurant. Was wir dann am Nachmittag machen? Kaffee und Kuchen bei Brigitte.