Im Interessiert-keine-Sau-was-ich-erzähl-Modus

Achtung, Achtung! Seit kurzem befinde ich mich des öfteren in einem „Interessiert-keine-Sau-was-ich-erzähl“-Modus. Dies äussert sich darin, dass Dinge einfach uninteressant sind, die ich erzähle.

Dabei kann zwischen Fällen unterschieden werden, die man als „Falscher Text am falschen Ort“ bezeichnen könnte, oder von solchen, in denen entweder der Sprecher oder der Zuhörer gerade absolut nicht der richtige ist.

So ist es zum Beispiel manchmal schwer zu entscheiden, womit man anfangen beziehungsweise was man erzählen soll, wenn man einen Kontakt mit jemandem aufbauen will, der einen und den man noch nicht kennt.

Soll man gleich seine ganze Lebensgeschichte erzählen oder nur seine guten Eigenschaften? Geht ja gar nicht. Oder seine schlechten? Wer von Lüge frei ist, der werfe den ersten.

Oder soll man irgend einen typischen Fall herausgreifen, anhand dessen man sich selbst ins richtige Licht rückt? Aber was ist schon typisch? Und überhaupt, wie soll das gehen?

Die ganze Problemlage ist mir erst heute so richtig bewusst geworden. Und das kam so. Wobei das eine nicht unbedingt mit dem anderen zu tun hat. Und es vielleicht noch viel bessere Beispiele gäbe.

Ich war also in der Schweiz in einer Migros. Im Eingangsbereich musste ich an einem Käsestand vorbei, an dem ein junge Frau mit Zahnstochern aufgespiesste Gruyère-Würfel zum Verzehr anbot. Sie schaute mich an und fragte, ob ich mal probieren wolle. Worauf ich freundlich ein „danke“ nickte und weiterging.

Als ich mit dem Einkaufen fertig war, kam ich zum zweiten Mal an diesem Stand vorbei. Unsere Blicke trafen sich wieder. Ich weiss nicht, ob sie es wirklich getan hat oder ob ich mir das jetzt nur im Nachhinein einbilde. Nämlich die Frage gestellt beziehungweise gestellt bekommen zu haben, ob ich es mir nicht doch anders überlegt hätte?

Jedenfalls verstand ich ihren Blick so. Ich sagte dann: „Nein danke, ich kenne den Gruyère-Käse. Ich war sogar schon einmal in der Käserei in Greyerz.“

Und das war doch ein ziemlicher Fehler von mir. Nicht dass ich mal in Greyerz war, sondern dass ich die junge Dame mit dieser „Info“ belästigt habe. Denn das kann und ich möchte sogar sagen muss ihr doch am Allerwertesten vorbeigehen, wo ich irgendwann mal meinen Urlaub verbracht habe.

Ich war, leider erst nachträglich, innerlich ganz auf der Seite der jungen Käseanbieterin. Ich schämte mich fast ein bisschen. Und erfand diesen Begriff vom „Interessiert-keine-Sau-was-ich-zu-erzählen-hab“-Modus.

Ich weiss nicht, wann das alles es begonnen hat und wie es weitergehen oder gar enden wird. Vielleicht bin ich grad mittendrin?

Jedenfalls habe ich schon eine erste Lehre gezogen. Ich fuhr nach dem Einkauf in der Schweiz noch eben rüber nach Sierentz in Frankreich, um im dortigen Hyper U Supermarkt noch ein wenig Pâtisserie zu kaufen. Ich hatte nicht viel in meinem Einkaufswagen und wie es der Zufall wollte, war gerade die Kasse mit den wenigsten Kunden von einer ganz süssen Maus besetzt.

Ich habe sie angeschaut und sie mich und wir hatten sogar beide ein freundliches Lächeln füreinander. Haben aber nur das nötigste gesprochen. Ein reines Geschäftsgespräch sozusagen.

Ich bilde mir sogar ein, dass sie das genossen hat.

2 Gedanken zu “Im Interessiert-keine-Sau-was-ich-erzähl-Modus

  1. Also ich finde, man muss nicht immer alles dauernd erzählen. Aber ich mag es, wenn Menschen von sich erzählen und nicht nur „irgendein Mensch“ mit rein zweckmäßiger Kommunikation sind, und ich selbst tu das auch gerne. Insofern: Mich würd’s vermutlich interessieren, was Du erzählst, wenn wir uns begegnen 🙂

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