Mit dem Teufel auf Du und Du

Das Glücklichseinwollen hab ich jetzt endgültig satt. Solange ich noch schreiben und einigermassen klar denken kann und es noch nicht wehtut, geht’s doch.

Ich möchte gar nicht drüber nachdenken, wieviel Lebenszeit man mit der gezielten Suche nach dem Glück und diversen entsprechenden Rezepten verschwendet.

Es kann und muss doch nicht immer alles genau so klappen wie man es geplant hat und gerne gewollt hätte.

Bei kleineren Missgeschicken, wenn was runterfällt oder kaputtgeht oder man einfach nur mit der Tücke des Objekts zu kämpfen hat, darf man fluchen. „Verdammte Scheisse!“ oder „So ein Wichs!“ denke ich dann ziemlich laut in mich hinein.

Gerne auch „So ein Arschloch!“ Ob der nun Anton Schlecker heisst oder … Wie hiess noch dieser Wichtigtuer von der FDP? Mir fällt grad der Name nicht ein. Fluchen tut jedenfalls gut, deswegen ist man ja nicht gleich unglücklich.

Bei grösserem Unglücklichsein würde ich es mit einem anderen Zeitgenossen halten, von dem ich neulich las.

In einer Erzählung schildert der Autor einen verheirateten Mann, der entdeckt, dass seine Frau ihn betrügt. Er liebt sie aber und will sich nicht trennen. An einem Nachmittag, an dem er seine Frau in den Armen des Liebhabers weiss, stellt er sich mitten in die gemeinsame Wohnung, schliesst die Augen und konzentriert sich auf den Schmerz, um ihn, letztlich, als Ausdruck höchster Lebensintensität zu: geniessen. Grossartig!
https://trittenheim.wordpress.com/2017/11/07/beobachtung-auf-hoehe-der-hasenpfote/#comment-10761

Ich bin Gott sei Dank nicht in so einer Situation. Aber ich finde das eine gute Idee, auch mal innezuhalten und ein bestimmtes Gefühl einfach zuzulassen und, ja, zu geniessen.

Mit Glücksmomenten funktioniert das nicht, wie wir ja alle wissen. Denn erstens wird uns erst im Nachhinein bewusst, dass wir in bestimmten Momenten glücklich waren, und zweitens lehrte uns Goethe: „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn.“

Ich habe inzwischen einiges gelernt. Manchmal genügt es schon, dass man einfach zufrieden ist, wenn irgendetwas nicht passiert ist. Was alles hätte passieren können!

Man kann sich drüber freuen und zufrieden sein und dann auch gleich wieder zum Fluchen und Schimpfen übergehen.

Christian Lindner!

nygaard

 

Über kurz oder lang

Jetzt, wo der November fast vorüber ist und es nur noch weniger als einen Monat dauert, bis die Tage wieder länger werden, sehe ich fast schon das Licht am Ende des November-Tunnels, des trübsten Monats des Jahres.

Die Weihnachtszeit werden wir auch noch schnell rumkriegen und dann wird sich wieder auf den Frühling gefreut. Mit seinem Spargel, den Erdbeeren, der Kirschblüte und überhaupt der aufblühenden Natur.

Die Zeit geht manchmal sehr schnell rum und manchmal dauert sie eine gefühlte Ewigkeit. Naja, über „Sein und Zeit“ will ich jetzt nicht philosophieren, bin schließlich nicht Heidegger und wohne auch nicht in einer Hütte im Schwarzwald.

Es ist halt alles relativ. Manchmal kommt es mir vor als würden die Romane immer kürzer und kürzere Texte immer häufiger. Das hängt wohl alles mit unserer „schnelllebigen“ (?) Zeit zusammen, in der Texte wie dieser, der hier und jetzt gerade geschrieben beziehungsweise gelesen wird, immer häufiger werden. Das kann aber auch ganz schön täuschen.

Manche Texte werden nämlich immer länger, unübersichtlicher und auch schwieriger zu lesen. Ich denke da nicht an Wälzer im Format von „Krieg und Frieden“, „Der Mann ohne Eigenschaften“ oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

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Martin Walsers diesjähriges Werk ist kein Roman mehr, besteht aus unzähligen Kleinteilen und hat nur 171 Seiten.

Nein ich dachte jetzt gerade an die Spülmaschinenbonbons, die ich neulich kaufte.

 

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Ich wusste nicht mehr genau welche Marke und welche Packungsgröße ich nehmen sollte und stöberte in dem reichhaltigen Angebot. Wichtig war mir eigentlich nur, dass ich die Tabs möchte, die man nicht erst noch auspacken muss.

 

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Wo steht’s? Der Text auf der Rückseite ist einfach viel zu lang und zu klein gedruckt.

 

Gestaltung muss sein

Ordnung
Was fällt hier auf?

Seit einiger Zeit beobachte ich bei mir einen zunehmenden Drang zur Gestaltung alltäglicher Anordnungen. Gestalten war für mich bisher immer etwas, das Künstlern überlassen war oder Kunsthandwerkern oder anderen Berufen, in denen Anordnung, Form- oder Gestaltgebung der eigentliche Zweck ist. Ich denke da an Gärtner oder Innenarchitekten oder ähnliche Baumeister.

Ich gestalte meinen Alltag. Habe ja sonst nichts anderes zu tun. Auf einmal trinke ich den goldfarbenen Lassie Mango Joghurt aus einem orangefarbenen Glas und den Schweizer Alpenkräuter-Eistee aus einem grünen.

Sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet ja das Smartphone. Man kann die Apps nach Häufigkeit des Gebrauchs anordnen oder Notizzetteln verschiedener Themenbereiche Erkennungsfarben geben. Von den Möglichkeiten, Fotos nach Personen, Orten oder Stichworten in Alben zu platzieren will ich gar nicht sprechen. Denn da mache ich ganz bewusst eine Ausnahme.

Das ist wie mit der Bücherwand. So wenig wie es mir je in den Sinn gekommen wäre, Bücher nach Größe, Sachgebieten oder Autoren zu ordnen, so wenig habe ich jemals damit begonnen, Fotos zu ordnen. Das sah ich immer als eine Aufgabe, an der man eigentlich nur scheitern kann.

Mit dem Kleiderschrank ist es da schon einfacher. Die kurzärmeligen Sommerhemden hängen rechts und die langarmigen links. Über Socken und Unterwäsche und darüber, wie diese in Schubladen angeordnet sind, möchte ich mich hier nicht weiter äussern, da ich mir keine geschätzte Leserin und keinen geneigten Leser vorstellen kann, den dies interessieren würde.

Und dennoch, es gibt noch einiges zu tun.

 

Frisch gepresst

Im Supermarkt Hyper U in Sierentz (F) gibt es eine Maschine, die auf Hebeldruck Saft aus Orangen presst,

Preise

den man direkt und selbst in Kunststoffflaschen (leider nur Einweg) füllen kann.

Kunde

 

Butter & Beileid

Wenn ich in Frankreich unterwegs bin, was ziemlich häufig vorkommt, dann höre ich meistens Deutschlandfunk. Oder ich meditiere. Oder beides. Das geht bei meiner entspannten Fahrweise auf französischen Landstrassen manchmal ineinander über.

Und wenn ich dann so Nachrichten von Attentaten oder Katastrophen höre, bei denen sehr viele Tote zu beklagen sind, dann verwandelt sich bei mir das Bedürfnis, mein Beileid zu erklären – wie es die Politiker machen – in Gedanken, die einem einfach so durch den Kopf schießen und zum Beispiel einen Wortlaut haben wie „Ja, Scheisse, da kann ich auch nix dran machen“.

Man findet einfach nicht die richtigen Worte wie zum Beispiel Donald Trump, der dann sowas sagt wie dass er für Selbstmordattentäter die Todesstrafe fordert.

Ich frage mich oft, nach welchem Schema die Nachrichten ausgesucht werden, die wir uns dann täglich anhören müssen. Meistens ist es ja die Zahl der Toten, die über die Wichtigkeit oder Unwichtigkeit einer Nachricht entscheidet, und manchmal sind es politische Erwägungen.

Direkt betroffen war ich jetzt von der Nachricht, dass in Frankreich die Butter knapp wird. Die Gründe sind veränderte Nahrungsgewohnheiten und ein Preiskrieg.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/butter-frankreich-kaempft-um-eines-seiner-liebsten-lebensmittel-a-1176279.html

500 Allgäubutter

Der Supermarkt, in dem ich immer meine Lieblingsbutter „Elle & Vire“ einkaufe, bietet schon seit mehreren Tagen Butter aus Holland und aus dem Allgäu an.

500 Hollandbutter

Meine Butter gab’s nur in kleinen gastronomischen Dosen, dafür zu astronomischem Preis. Wer kauft schon Butter zum Apothekenpreis? Naja heute war ich’s.

500 Elle & Vire