Ostergruss

Happy Easter / Joyeuses Pâques / Frohe Ostern

Mein Ostermärchen (Wiederholung) gibt’s hier:

https://schreibmanskultbuchauswahl.blogger.de/stories/2681493/

 

Chécrets

 

Also bei mir ist das so. Manchmal finde ich einfach keinen ersten Satz. Weil ich gar nichts bestimmtes zu sagen habe.

Naja, jetzt bin ich ja schon beim dritten, damit müsste es dann eigentlich laufen.

Der erste Satz war übrigens ein Vorschlag meiner Frau, als ich ihr sagte, dass ich auf der Suche bin.

Okay, ich wollte über einen Roman schreiben, der in Frankreich spielt, und dann fiel mir Wuppertal ein.

Uli und die Schwebebahn
Schwester Uli und die Schwebebahn

Als wir in Wuppertal lebten, nannten wir die dortige Tageszeitung immer das „Schwebebahn-Journal“. Weil jeden Tag irgendeine – und sei es auch noch so kleine – Meldung über die Schwebebahn drin stand.

Und jetzt habe ich einen Roman einer Schweizer Autorin angefangen, der in einer bestimmten Region spielt.

baumann

Statt einer Schwebebahn gibt’s dort die Kathedrale von Lisieux, Caen, weisse Kühe, Apfelbäume, die Apfelblüte im April, Apfelkuchen, flambiert mit Calvados, Cidre und … die berühmten Strände der Normandie! Da, wo damals die Alliierten gelandet sind.

invasion

Was Margot S. Baumann an zwei Stellen ihres Werks unreflektiert und political incorrect als „Invasion“ bezeichnet.

Im Licht der Normandie

Der Roman ist eine Mischung aus Liebes- und Kriminalroman, eigentlich ein besserer Groschenroman. („Er sog scharf die Luft ein, riss sie dann ungestüm an sich und gemeinsam fielen sie aufs Bett. Sein Körper glühte, als würde er in Flammen stehen“ usw.) Deswegen werde ich ihn auch nicht zu Ende lesen. Er langweilt mich einfach.

Charolais Rind
Charolais-Rind, fotografiert 2014 von Nell
Lilli

Interessiert und neugierig gemacht hatte mich der Satz „Un chécret r’à pège teullement qu’à la fin no peut pus l’portaer“. Kein „richtiges“ Französisch, ich tippte auf Dialekt, Patois, Alt-Französisch. Frau Baumann übersetzt ihn so leichthin und ohne genauere Erklärung mit „Nichts wiegt so schwer wie ein Geheimnis.“

Auf Neu-Französisch würde der Satz wohl lauten: „Un secret pèse tellement qu’à la fin on ne peut plus le porter“ – Ein Geheimnis wiegt so lange immer schwerer, bis man es schliesslich nicht mehr (er)tragen kann.

CREPERIE MONTOISE

In der Crêperie (2008)

Ich habe „Im Licht der Normandie“ von Amazon Prime geschenkt beziehungsweise kostenlos geliehen bekommen. Das wird mich jedoch nicht veranlassen, mich bis zum Ende des Apfelkuchens durchzufressen.

Ich möchte endlich mal wieder ein gutes Buch lesen! Und einen guten Text schreiben.

 

Ich wollt ich wär Alain

Es gibt zwei Handlungsfragmente, für die ich ihn schon immer bewundert habe. Nur er konnte sie so gut als das darstellen, was sie sind. Nämlich Fragmente und eigentlich keine eigenständigen Handlungen. Sie zeichnen sich durch Beiläufigkeit und Coolness aus.

Das eine ist das Aussteigen aus dem Auto, wenn er irgendwo ankam. Aussteigen ist eigentlich schon ein viel zu langes Wort für das, was er tut. Wenn man nämlich nicht genau hinschaut, dann ist er schon wieder weg. Hat das Auto verlassen, die Tür hinter sich zugeschlagen und natürlich nicht abgeschlossen.

Alain Delon

Wie dem auch sei, das Abschliessen einer Autotür nach dem Aussteigen wurde in Filmen lange Zeit überhaupt nicht dargestellt, weil einfach zu spiessig und langweilig.

Das Problem hat sich dann von selber gelöst, seit es diese klick klack Schlüssel gibt, mit denen junge fesche Damen mit ihren Stöckelschuhen flugs aus dem Wagen steigen, ihre Handtasche umwerfen und zügig auf die Boutique zu stöckeln, während es hinter ihnen klick klack macht. Das sieht dann schon ganz süss und sexy aus.

Die andere Geste ist das Bezahlen. Ich hatte früher schon mal darüber gesprochen, aber es beschäftigt mich halt immer wieder gern. Wenn er in einem Bistro oder an der Theke sass und sein Glas ausgetrunken hatte, dann zog er, je nachdem, zwei Münzen oder einen Geldschein aus der Tasche, ohne hinzusehen, und pfefferte oder legte es einfach auf den Tisch oder die Theke und war auch schon verschwunden.

Alain Delon bezahlt seine Rechnung

Keiner hat um die Rechnung gebeten, niemand hat einen Bon oder eine Rechnung gebracht. Keiner weiss, was da verzehrt wurde und was das gekostet hat, ob in dem Betrag Trinkgeld enthalten ist oder nicht. Kein Betrag, kein Kramen im Geldbeutel, kein Wechselgeld, kein Dankeschön und kein Wiedersehen. In deutschen Filmen habe ich diese lässigen Handlungsfragmente nie gesehen.

Was das Autotür abschliessen betrifft, kann ich ja verstehen, dass man dem Zuschauer erspart, dabei zuzusehen, wie der Held die Wagentür sorgfältig abschliesst, bevor er zu einem gefährlichen Treff oder einem heissen Date geht. Bei einer anderen Geste fühle ich mich aber oft verscheissert. Und zwar betrifft das das Einnehmen von einer oder mehreren Tabletten.

Das ist für Kameras natürlich auch nicht sehr spektakulär, wenn Sie eine geöffnete Hand zeigen müssen, in der eine Tablette liegt. Deswegen meinen sie dann öfters gerne mal, sie müssten jetzt noch ganz besonders darauf hinweisen, dass hier jemand eine Tablette (!) schluckt (!). Und wie machen sie das am besten? Sie zeigen den halt, wie er sich etwas einwirft, einen Schluck Wasser nimmt und dann ruckartig und dramatisch den Kopf in den Nacken wirft (!), so als müsste man das machen, damit die Tablette auch wirklich senkrecht nach unten rutscht.

Reine Verarsche ist das. Niemand wirft den Kopf in den Nacken, wenn er eine Pille nimmt.

Und eins ist sowieso sicher. Delon nimmt keine Pillen.

Diät

Oberwolfach
Das gab’s Sonntagabend im Walkenstein in Oberwolfach

Und danach erst mal nix. Nachts schwitzte ich ins Hotelbett. Entweder wegen leichtem Stress oder ich hatte mir etwas grippeähnliches eingefangen.

Montag war ich zuerst bei der Zahnärztin und fuhr dann mit dem zu bearbeitenden Teil zum Dental-Labor. Das hatte ich ihr angeboten („Ich hab ja Zeit“), in der Hoffnung, die ganze Sache etwas zu beschleunigen. Dann musste ich einfach nur noch warten, konnte mich mit Zahnlücke ja nirgends sehen lassen.

Angst-vor-Schmerz-Stress hatte ich ja nun wirklich nicht. Im Autoradio (SWF) hörte ich dann allerdings, dass in Freiburg die Kliniken überlaufen sind. Gehen die Leute echt mit Grippe ins Krankenhaus?

Mein Stress hatte jetzt eine mögliche Ursache, eine Grippe kündigte sich an. Die Zeit, bis ich das Teil wieder im Labor abholen konnte (ich wartete auf entsprechenden Handy-Anruf) zoooog siiiiich hiiiiin.

Dann kurz nochmal bei der Zahnärztin vorbeigefahren und dann nichts wie heim und gleich ins Bett. Viel Fenchel-Tee getrunken (nur danach spürte ich deutliches Verlangen).

Heute ganzen Tag im Bett geblieben. Jetzt habe ich also zwei volle Tage nichts gegessen. Schade, dass ich mich nicht vorher gewogen habe. Bestimmt ganz schön abgenommen.

Jetzt meldet sich doch ein bissle Hunger. Also eine richtige Grippe kann das nicht gewesen sein. Obwohl ich noch huste und Schnupfen habe.

Mitblogger bonanzamargot hat das richtige Zitat bereit gehabt. Frauen sagen „Ich habe Schnupfen“ und Männer „Es geht zu Ende mit mir.“

Kuchen
Vielleicht noch heute Nacht?

Wenn eine Französin Durst hat

Als ich heute an der Tankstelle war und gerade wieder ins Auto steigen wollte, kam eine junge Frau auf mich zu. Sie fragte mich mit einem gewissen Akzent, ob es hier einen Getränkemarkt in der Nähe gäbe.

Sie wollte also keinen normalen Supermarkt und auch nicht in Neuenburg, sondern einen in Müllheim. Ja, sagte ich, das ist gar nicht so weit entfernt. Da gehen sie am besten zum Edeka.

Sie meinte aber, dass sie einen Nur-Getränkemarkt suche. Jaja, sagte ich, da ist direkt daneben ein Getränkemarkt. Sie müssen nur hier gradeaus fahren, dann links auf die B3 und dann am Kreisverkehr rechts, dann sind Sie auch schon da.

Sie schien das alles ganz gut verstanden zu haben. Wir verabschiedeten uns und fuhren jeder seiner Wege.

Jetzt begann bei mir eine leichte Denkarbeit. Ob sie wirklich alles richtig verstanden hatte? An meinem Französisch konnte es sicher nicht gelegen haben, denn ich hatte ganz flüssig von links abbiegen (prendre à gauche), Kreisverkehr (rondpoint), rechts abbiegen (prendre à droite) und so weiter (et cetera) gesprochen

Dann fragte ich mich, ob sie das überhaupt alles behalten hatte. Und es arbeitete weiter in meinem Kopf. Sie könnte die Auffahrt auf die B3 verpasst (raté) haben und wäre dann schon fast wieder in Frankreich.

Oder sie fährt irgendwo aus irgendeinem Grund (pour n’importe quelle raison) in die falsche Richtung (mauvaise direction).

Ich wurde richtig unruhig. Nicht auszudenken, wenn die gute Frau sich trotz meiner Erklärungen verfahren und mich dann vielleicht sogar verflucht hätte („Quel pauv‘ petit con!“).

Ich wäre am liebsten zum Edeka gefahren, um nachzusehen, ob sie richtig angekommen war, bei ihrem Getränkemarkt. Oder noch besser, da ich ja schon getankt und bezahlt hatte, hätte ich ihr doch einfach vorschlagen können, hinter mir her zu fahren. Ich hätte sie gerne an ihr Ziel gebracht.

Dann wäre ich wenigstens sicher gewesen. Es wurde ja dann auch bald dunkel.

Vielleicht irrt sie noch durch die Nacht, die Arme (la pauvre).

 

Gezondheid

Bei uns gab’s heute Chicorée, hatten wir gestern schon vom Edeka mitgebracht.

chicon

Ein wichtiger Lieferant des in Frankreich „endive“ genannten und sehr charaktervollen Gemüses ist Belgien. Da heisst es allerdings „Chicon“. Und das auch nur in der frankophonen Hälfte des Landes.

Die Vlamingen in Vlaanderen (Flamen in Flandern) haben dafür das vlaamse woord „witloof“ (Weissblatt).

Jedenfalls hat es nicht nur eine aparte bittere Geschmacksnote, sondern ist auch sehr gesund. Wegen wenig Kalorien, viel Ballaststoffe und so weiter. Lilli hat es als überbackene Chicorée mit Schinken gemacht.

Auflauf
Pippi neu
Nachschlag
Nachschlag. Dazu gab’s zerrissene Baguette.
Lecker lecker lecker!
Mein Lieblingsessen!

Man soll ja immer auf seine Gesundheit achten. Der Holländer sagt gerne „Op uw gezondheid!“, wo wir Deutschen etwas unpräzise auf unser „Wohl“ trinken.

Oder sagen wir es doch mal mit den Worten des Passanten, der neulich in einer Fussgängerzone befragt wurde, ob er für ein Teilverbot von Dieselfahrzeugen sei. „Ja, wenn die Gesundheit der Bevölkerung auf dem Trapez steht…“