Zeit läuft

Es gibt so Momente, da kann ich auf die Uhr oder auf den Kalender schauen: Die Zeit schreitet nicht voran, scheint auf der Stelle zu treten. Auf dem Crosstrainer könnte man das noch als normal empfinden, denn man tritt ja tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes auf der Stelle.

Manchmal passiert es mir auch, dass ich einfach innerlich das Gefühl habe, dass die Zeit gerade zu einem Stillstand gekommen ist.

Wenn zum Beispiel irgendwas erst in drei Stunden anliegt, dann kann es mir passieren, dass ich das Gefühl habe, eine lange Wartezeit von drei Stunden vor mir zu haben. Drei Stunden Leere. Nicht Leerlauf, nur Leere. Ich muss dann halt einfach irgendwas machen, sonst geht die Zeit nicht weiter.

Seit ich jetzt etwas reifer – also Rentner – geworden bin, stelle ich im übrigen zwei gegenläufige Veränderungen in meinem Zeitgefühl und Zeitmanagement fest.

Im Grunde habe ich ja alle Zeit der Welt und kann machen, was ich will. Wunderbar.

Nun ist es aber so, dass ich zwar einerseits oft das Gefühl habe, dass ich mich mit nichts beeilen muss, dass ich mir zu allem viel Zeit nehmen kann und dass ich mich von niemandem irgendwie drängeln lassen muss.

Was ich mache, kann ich langsam und sorgfältig tun. Ich habe Zeit und keine Fristen oder dringenden Termine.

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Wie beendet man ein Telefongespräch? Früher, als Zeit noch Geld war, sagte man: „Lass uns mal Schluss machen, das („Ferngespräch“) wird sonst zu teuer.“ Dass man einen Film zu Ende schauen will, ist nicht nur spiessig, man kann ihn ja auch einfach anhalten.

Dass man noch wichtigere Dinge zu tun hat als am Telefon zu quatschen, geht auch nicht. Ist nicht nur sehr unhöflich sondern auch einfach nicht wahr.

Und „andererseits“? Andererseits habe ich mit zunehmendem Alter jedoch immer öfter im Hinterkopf, dass unsere Lebensdauer begrenzt ist.

Je älter man wird, desto weniger kann man noch längerfristige Planungen vornehmen. Ich bekomme also ein immer deutlicheres Gespür dafür, dass ich mir meine Zeit vernünftig einteilen muss.

Das bedeutet, dass ich im Gegensatz zu dem, was ich unter „einerseits“ dargelegt habe, „andererseits“ keine Zeit zu verlieren habe. Von wegen „Ich habe ja Zeit“. Ja, doch sie wird immer kürzer.

Und irgendwann hört sie dann ganz auf.

So, ich muss jetzt leider schliessen. Habe noch zu tun!

Gefährliches Pflaster

Seit einiger Zeit Depuis quelque temps denke ich darüber nach, je réfléchis à ce que welches wohl mein nächstes Auto sein könnte pourrait être ma prochaine voiture. Der Tacho meines PT Cruiser Le compteur de vitesse de mon PT Cruiser steht auf 192.000 (hundertzweiundneunzigtausend) est de 192.000 (cent quatre-vingt-douze mille). Mein Chrysler-Händler meinte, Mon concessionnaire Chrysler m’a dit es sollte in jedem Fall ein Automatik sein qu’elle devrait être automatique dans tous les cas. Das war wohl eine Anspielung auf mein Alter. Je suppose que c’était une allusion à mon âge. Sehr sympathisch. Très sympathique. Immerhin fahre ich seit 7 (sieben) Jahren unfallfrei mit demselben Auto, Après tout, je conduis la même voiture depuis sept ans sans accident circa 25.000 (fünfundzwanzigtausend) km pro Jahr soit environ 25.000 (vingt-cinq mille) km par an.

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Beim Blick auf die heutige Presse En regardant la presse d’aujourd’hui stiess ich zunächst auf eine Regionalzeitung, je suis d’abord tombé sur un journal régional auf deren Titelseite ein Bericht über „Die gefährlichsten Strassen des Elsass“ angekündigt wird dont à la une un reportage est annoncé sur „Les routes les plus dangereuses d’Alsace“.

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Ich wusste gar nicht, in welche Gefahr ich mich so oft begebe. Je ne savais pas dans quel danger je me mettais si souvent. Vielleicht sollte ich tatsächlich einen Automatik ins Auge fassen? Peut-être que je devrais vraiment envisager une automatique?

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Eine andere gefährliche Destination Une autre destination dangereuse scheint mir das Land zu sein, me semble être le pays où se déroulent des élections ce week-end in dem an diesem Wochenende gewählt wird. Mit oder ohne Automatik. Avec ou sans automatique.

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Nicht ganz dicht? Pas assez raisonnée? Da ist wohl von Seehofer die Rede. Je crois qu’ils parlent de Seehofer. Ach nein, von den Grenzen. Ah non, des frontières. Auf jeden Fall ein gefährliches Terrain. Dans tous les cas, terrain dangereux. Mit oder ohne. Avec ou sans.

Liebe M.,

Dein Eintrag hat mich veranlasst, noch mal in meine Seminararbeit vom Wintersemester 1975/76 in Tübingen zu schauen.

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Der Titel lautete „Privates und Öffentliches in der „Insel Felsenburg“ von Johann Gottfried Schnabel“. Darin schrieb ich unter anderem: „Der Widerspruch zwischen Privatheit und Öffentlichkeit findet Entsprechung in der Tatsache, dass Literatur in privater Initiative entsteht und gelesen wird, gleichwohl aber Bestandteil und Herstellung von Öffentlichkeit ist. Literatur ist immer historisch objektiv, da ihr Entstehungsprozess – in welcher Form auch immer – von der historischen Situation bestimmt wird, ihre Produkte aber die Zeit bestimmen können.“

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Bezogen auf Deinen Eintrag möchte ich eigentlich nur sagen, dass es letztlich keinen Unterschied zwischen Privatem und Öffentlichem gibt. Alles Private ist direkt oder indirekt auch öffentlich und alles Öffentliche auch privat.

Deine Einträge in „MyTagebuch“ waren genauso öffentlich wie die hier bei WordPress. Dein subjektives Empfinden, dass Du bei „MyTagebuch“ einen „intimeren“ Leserkreis hattest als Du ihn hier bei WordPress hast, ist eben nur sehr subjektiv.

Das wollte ich nur mal kurz anmerken. Letztlich ist es natürlich Deine Sache, wo und wie Du Deine Eintragungen veröffentlichst oder eben auch nicht.

Ich freue mich auf Deinen nächsten Eintrag.

Liebe Grüsse

Schreibman

Gruss von der Schwäbischen Alb

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Aus den Arkaden von Heidenheim

Skandal! Text mal 6 in 6 Minuten!

Liebe „Kultbuch“-Leser, heute habe ich Euch eine interessante Mitteilung zu machen. In jedem Fall war sie interessant für mich. Als ich noch selbständiger Übersetzer war, konnte ich einen Tarif von circa 50 € pro Seite in Rechnung stellen. Jetzt habe ich einen Übersetzer gefunden, der mir nur 20 € berechnet, und dies für rund 500 Seiten, das sind also nur 0,04 € pro Seite! 4 Cent statt 50 Euro! Kein Mensch kann zu diesem Preis arbeiten. Das kann nur Künstliche Intelligenz. Jetzt interessiert mich, wie gut die Ergebnisse solcher maschinellen Übersetzungen sind. Ich werde es herausfinden.

Dear „Kultbuch“ readers in English-speaking countries, I have an interesting announcement to make to you today. In any case, it was interesting to me. When I was a freelance translator, I was able to charge a fee of about 50 € per page. Now I have found a translator who charges me only 20 €, and this for about 500 pages, that’s only 0,04 € per page! 4 Cent instead of 50 Euro! Nobody can work at that price. Only Artificial Intelligence can do that. Now I am interested in how good the results of such machine translations are. I’m gonna find it out.

Cari lettori di „Kultbuch“ in Italia, ho un interessante annuncio da fare oggi. In ogni caso, è stata interessante per me. Quando ero un traduttore freelance, sono stato in grado di addebitare una tassa di circa 50 € per pagina. Ora ho trovato un traduttore che mi costa solo 20 €, e questo per circa 500 pagine, che è solo 0,04 € per pagina! 4 Cent invece di 50 Euro! Nessuno può lavorare a quel prezzo. Solo l’Intelligenza Artificiale può farlo. Ora sono interessato a quanto siano buoni i risultati di tali traduzioni automatiche. Lo scoprirò.

Drodzy czytelnicy „Kultbuch“ w Polsce, mam dziś do państwa ciekawą zapowiedź. W każdym razie była dla mnie interesująca. Kiedy byłem tłumaczem niezależnym, mogłem pobierać opłatę w wysokości około 50 € za stronę. Teraz znalazłem tłumacza, który pobiera za mnie tylko 20 €, a to za około 500 stron, to tylko 0,04 € za stronę! 4 Centra zamiast 50 Euro! Nikt nie może pracować za tę cenę. Tylko sztuczna inteligencja jest w stanie to osiągnąć. Teraz interesuje mnie jak dobre są wyniki takich tłumaczeń maszynowych. Dowiedziałam się od razu.

Chers lecteurs du „Kultbuch“ en France, j’ai une annonce intéressante à vous faire aujourd’hui. En tout cas, elle était intéressante pour moi. Lorsque j’étais traducteur indépendant, je pouvais facturer environ 50 € par page. Maintenant j’ai trouvé un traducteur qui ne me facture que 20 €, et ceci pour environ 500 pages, soit seulement 0,04 € par page! 4 Cent au lieu de 50 Euro! Personne ne peut travailler à ce prix-là. Seule l’Intelligence Artificielle peut le faire. Maintenant, je m’intéresse à la qualité des résultats de ces traductions automatiques. Je vais la découvrir.

Beste Kultbuchlezers van Nederland, ik heb vandaag een interessante mededeling voor u. In ieder geval was ze interessant voor mij. Toen ik freelance vertaler was, kon ik een vergoeding van ongeveer 50 € per pagina in rekening brengen. Nu heb ik een vertaler gevonden die me slechts 20 € in rekening brengt, en dit voor ongeveer 500 pagina’s, dat is slechts 0,04 € per pagina! 4 Cent in plaats van 50 Euro! Niemand kan tegen die prijs werken. Alleen kunstmatige intelligentie kan dat. Nu ben ik geïnteresseerd in hoe goed de resultaten van dergelijke machinevertalingen zijn. Ik ben gonna te weten komen.

Queridos lectores de „Kultbuch“ en España y en los países de habla hispana, tengo un anuncio interesante que hacerles hoy. En cualquier caso, ella era interesante para mí. Cuando era traductor freelance, podía cobrar unos 50 € por página. Ahora he encontrado un traductor que me cobra sólo 20 €, y esto por unas 500 páginas, ¡eso es sólo 0,04 € por página! 4 céntimos en lugar de 50 euros! Nadie puede trabajar a ese precio. Sólo la Inteligencia Artificial puede hacer eso. Ahora me interesa saber qué tan buenos son los resultados de estas traducciones automáticas. Voy a averiguarlo.

Mitbringsel

In einem berühmten Film – ich glaube, es ist „Lost in Translation“ – bittet eine Dame in Japan darum, der Mann, der nach Frankreich muss, möge ihr Seife aus Marseille („Savon de Marseille“) mitbringen. Das sei die beste der Welt.

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Auch meine schwäbischen Schwägerinnen haben uns darum gebeten, ihnen entsprechenden Nachschub mitzubringen, wenn wir demnächst zu (Schwieger)mutters Geburtstag auf die Alb fahren.

mitbringsel

Ausser der Seife mögen sie auch süsse Würfel aus rohem Rohrzucker, auf deren Geschmack ich sie gebracht habe, als sie mal bei uns Kaffee tranken.

Eloise und andere Frauen


Das war ein ganz guter Tag heute. Um 11 Uhr hatte ich Termin in Wolfach bei meiner Zahnärztin. Die professionelle Zahnreinigung machte ihre Assistentin, mit der ich anschliessend noch ein nettes Gespräch hatte.

Ich kenne Wolfach ja seit meiner Kindheit und sie wohnt in Sichtweite des grossen Jugendstilhauses, in dem meine Oma und mein Onkel mit seiner Familie wohnten. Leider wurde es vor ein paar Jahren abgerissen und an dieser Stelle ist jetzt ein Parkplatz der Firma Sachtleben, deren Direktor mein Onkel damals war.

Wir sprachen über Orte, die wir beide kennen. Also die Fabrik, die beiden Bauernhöfe von Schmittebauer und Schmittechristel, die Bahnstrecke, auf der ich als Kind noch Dampfloks vorbeifahren sah, und den grossen Garten meiner Tante, der ebenfalls plattgemacht und zu einem Parkplatz umfunktioniert wurde.

Auf dem Rückweg kaufte ich dann noch einen neuen Einkaufskorb beim Welzel in Hausach und im Elztal Erdbeeren und Kirschen an einem Stand am Strassenrand.

Korb Welzel

Zu Hause angekommen las ich den neuesten Eintrag meiner Frau in „Nells Tagebuch“. Wir plauderten ein bisschen und assen dabei Kirschen. Dann machte ich uns auch gleich die Erdbeermilch, die sie immer ganz gerne mag und die jedesmal bissle anders schmeckt. Mal ist sie etwas zu süss und mal nicht süss genug. Naja, ich muss halt üben, üben, üben!

Sie legte sich dann ein bisschen zum Vorschlafen hin und ich fuhr noch kurz nach Frankreich rüber, um ein paar Sachen im französischen Supermarkt zu besorgen.

Wir tranken zusammen den üblichen Tee, bevor sie um 21.30 Uhr zur Nachtschicht aufbrach.

Es war ja praktisch noch hell und ich hatte keine Lust, den Allein-zu-Hause-Abend schon zu beginnen. So fuhr ich eine kleine Tour durch die anbrechende Nacht, durch Neuenburg, Müllheim und Heitersheim auf der B3.

Im Auto hörte ich Radio Dreyeckland. Auf einmal spielten sie „Eloise“ von Barry Ryan! Da hab ich dann voll aufgedreht!

Vom zweiten Grad ins erste Glied

Die Rolle, die die meisten von uns im politischen Diskurs spielen, ist ja hauptsächlich eine passive. Sie besteht zum grössten Teil aus dem Hören, Lesen und Sehen von Informationen und Nachrichten. Diese werden dann oft unvollständig bis falsch in privaten Gesprächen, am Stammtisch oder als Smalltalk auf Parties und Kindergeburtstagen weitergegeben. Dort werden sie erwähnt und besprochen, um nicht das grössere Wort „diskutiert“ zu missbrauchen.

Solche Besprechung erfolgt in fast allen Fällen top-down: Man geht von einer bei sich selbst oder beim Gesprächspartner vorhandenen allgemeinen Idee aus, zum Beispiel „Ausländer schaden uns nur“, und bestärkt sich dann gegenseitig durch Suchen, Finden und Aufzählen von Beispielen für die Richtigkeit dieser Meinung. So entsteht Geschwätz und Kommunikation zweiten Grades. Deren Sprache hat keinen direkten Aufforderungscharakter, sie richtet sich an keine kompetente oder handlungsbefugte Person und ist letztlich beliebig.

Derart beliebige und letztlich unbegründete Meinungsfragmente gehen dann bottom-up in eine gemeinsame Richtung, um sich zu einem Haufen gedanklichen Komposts zu verdichten, auf dem so etwas wie die Ah Äff Deeh gedeihen kann.

Diese beginnt dann, in Kommunikation ersten Grades ihren Haufen in den öffentlichen Diskurs herunterzubrechen. So entsteht dann allerdings auch der allgemeiner Wirrwarr in Köpfen und Medien, in den man wie in einen Strudel hineingezogen wird, dessen Bewegungsrichtung jeden nach unten ins Verderben zieht, der ihm hilflos ausgeliefert ist.

Der einzige Ausweg für den denkenden Menschen besteht nun darin, sich geistig so zu verhalten, wie man sich in einem Wasserstrudel verhalten muss, um dem Ertrinken zu entgehen: Man lässt sich erst mal bis ganz nach unten ziehen; das haben wir ja schon getan. Und wenn man mit den Füssen am Boden angekommen ist, geht man wie um Anlauf zu nehmen in die Hocke. Und stösst sich dann mit aller Kraft schräg nach oben ab, um so den Strudel zu verlassen, an die Oberfläche zu gelangen und Land zu gewinnen.

Erst dann kann man anfangen, wieder vernünftige Gedanken zu entwickeln.

Schpräschen Sie Ausländisch?

Wenn isch im Autoradio von Sükerberg und Bayääär schpreschen öre, dann weiss isch natürrrlisch, welsche Firma und welscher Ami damit gemeint ist. Oder sind. Isch bin ja auf „France Info“. Wen Sie eute mit Dohke Mikkel meinten, abe isch allerdings nischt auf An-ieb verschdanden. Isch müsste mal kurz in und är grübelen bis es misch wie Silikon aus där Brüst fiel. Gemeint war där internationale Chemiekonzern „Dow Chemical“, der unter anderem Silikonimplantate für Frauen errschtellt. Voilá.