Mühen der Faulheit & Wonnen der Arbeit

Videokonferenz mit Schwestern

Wenn man alle Lasten wegnimmt, wird alles Last.

Dieser Satz geht mir durch den Kopf, seit ich ihn – sinngemäss – in dem Podcast von Martin Seel gehört habe.

So hat er sich mir eingeprägt, so habe ich ihn verstanden. Ich weiss genau, was ich mir darunter vorstellen kann.

Tugenden&Laster

Es geht darum, dass man kein anhaltendes Glücklichsein erzielen kann, da das Leben aus einem Auf und Ab bestehen muss. Nur wenn man Eiseskälte im Schnee gespürt hat, weiss man die anschliessende wohlige Wärme im Wohnzimmer richtig zu schätzen.

Würde dauernd die gleiche Temperatur herrschen, die weder zu kalt noch zu warm ist, hat man keine Möglichkeit mehr, solche Glücksmomente zu erfahren.

Auf den vergangenen Sommer bezogen könnte man sagen, dass sechs Monate schönes Wetter irgendwann ihre Schönheit verlieren. Es fehlt der Kontrast, wenn es kein schlechtes Wetter mehr gibt. Das ganze, eigentlich „schöne“ Wetter wird nur noch als Last empfunden.

Auf Arbeit und Freizeit bezogen kann man sagen, dass Freizeit nur vor und nach der Arbeit wirklich genossen werden kann. Fallen die Arbeit oder erfüllende Tätigkeit weg, gilt wieder der Satz, dass alles Freizeit und somit Last ist, Muße so zur Last werden kann.

seel

Vortrag des Frankfurter Philosophen Martin Seel zu „Wonnen der Arbeit und Mühen der Faulheit – Über die Transformation von Tugenden in Laster und Laster in Tugenden“. Zu seinem interessanten „Hörsaal“-Vortrag über Arbeit und Muße geht’s hier.

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/arbeit-mehr-als-nur-geld-verdienen

27 Gedanken zu “Mühen der Faulheit & Wonnen der Arbeit

  1. … es gibt auch nur Konstanz in Veränderung. Dinge müssen sich ändern, damit andere bleiben. Man braucht die Tiefen, um die Höhen zu spüren. Die Mitte wird man immer an der Mitte des Erlebens ausrichten – wenn die Bandbreite klein ist, wird eine kleine Schwankung oder gar vieles, das eigentlich gut ist, wenn ein Kontrast da ist, schlecht erscheinen.

    Äh. Ich wiederhole nur in anderen Worten.

    Aber vielleicht ist das ja okay so.

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  2. Damit kann man sich die ganze Welt erklären. Ohne ganz schlimme Taten auch keine ganz guten. Ohne Brutalität keine Güte, ohne Elend keine Mutter Theresa, ohne Krankheit keine Gesundheit usw usf….Habe darüber schon oft nachgedacht. Ob vielleicht ein Leben in der Mitte besser wäre, ohne diese ganz krassen Ausschläge. Man erfährt ja oft von Dingen, da möchte man wirklich nicht, dass sie passieren. Hoffe, es ist irgendwie verständlich, was ich meine. Liebe Grüße.

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    • Ja, oder wie Martin Walser sagt: „Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr.“ Du sagst: „Habe darüber schon oft nachgedacht.“ Ich auch. Die 45 Minuten Vortrag haben mich jedenfalls zu weiterem Nachdenken angeregt. Seel zitiert unter anderem auch Immanuel Kant zum Thema Arbeit: „Je mehr wir beschäftigt sind, desto mehr fühlen wir, dass wir leben und desto mehr sind wir uns unseres Lebens bewusst.“

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  3. ich ersetze arbeit mal besser mit dem wort anstrengung. der anstrengung folgt die muße und umgekehrt, was eine binsenweisheit ist. ich brauche keine aufgezwungene arbeit, um hernach glücklich zu sein oder die zeit zu genießen. das macht in meinen augen nämlich den unterschied aus, dass die meisten menschen nicht unbedingt freiwillig malochen gehen, wobei sie ausserdem eine menge hierarchie bedingte demütigungen erdulden müssen. auch ist das pensum arbeit respektive anstrengung bei jedem menschen anders, das er braucht, um den effekt des „glücklichen feierabends“ zu erleben. es soll menschen geben, die nie feierabend machen, so sehr lieben sie ihre arbeit. kann man sich das vorstellen?
    in der liebe ist es aber wirklich so. immer dieselbe frau im bett – das wird mit der zeit tierisch öde.

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    • Du schreibst „ich ersetze arbeit mal besser mit dem wort anstrengung“. Kannst Du gerne machen, hat aber nichts mit dem Vortrag von Martin Seel zu tun, der eben von Arbeit handelt. Das ist nicht alles dasselbe. Wenn Du Dir die 45 Minuten angehört hättest, wüsstest Du mehr. Aber was soll’s, ich will keine Werbung machen oder jemand überzeugen, sondern nur auf etwas hinweisen, was mir gefallen hat.

      Und was Frauen betrifft: Du schreibst doch schon seit Wochen, wie sehr Dir Deine fehlt. Und jetzt: „immer dieselbe frau im bett – das wird mit der zeit tierisch öde.“ Wie passt das zusammen?

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  4. Arbeit ist nur als physikalische Arbeit klar definiert. Ansonsten haben viele Menschen unterschiedliche Vorstellungen, was sie als Arbeit betrachten und was nicht. Im Alltag meinen wir bei der Verwendung des Begriffs Arbeit meist die Erwerbsarbeit, der wir nachgehen. Aus deinem Beitrag ist mir nicht ersichtlich, welche Arbeit du meinst. Auch mag ich den Begriff Arbeit gar nicht. Die Gründe will ich hier nicht ausführen.
    Thematisch ging es doch allgemein darum, dass der Mensch sich zwischen den gegensätzlichen Polen seiner Empfindungen bewegt. Ohne das eine verliert das andere mit der Zeit an Bedeutung. Glück und Unglück etc.
    Aber auch das ist meiner Meinung nach recht individuell. Wir bewegen uns als Menschen recht unterschiedlich zwischen diesen Polen in Hinsicht auf Amplitude und Wellenlänge.
    Mein erster Kommentar war als skeptische Gedankenanregung gedacht. Mir erschienen deine Erläuterungen zu oberflächlich und allgemein.
    Das Beispiel aus dem Leben in einer Partnerschaft fand ich anschaulich und nahm dabei nicht Bezug auf meine versiebte Liebesbeziehung. Wie gesagt nur als Gedankenanregung… Ins Persönliche will ich nicht gehen.

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    • Lieber BoMa, Folgendes.

      Du schreibst: „Mir erschienen deine Erläuterungen zu oberflächlich und allgemein.“ – Ok, dafür sind mir Deine eher unverständlich.

      Und dann: „Auch mag ich den Begriff Arbeit gar nicht. Die Gründe will ich hier nicht ausführen.“ – Aha. Nein? Worauf soll ich denn dann antworten?

      Und schliesslich: „Ins Persönliche will ich nicht gehen.“ – Gut, musst Du auch nicht. Was wolltest Du denn überhaupt sagen mit Deinem Kommentar?

      Liebe Grüsse, nix für ungut und einen schönen Abend Dir noch.

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    • manchmal überkommt mich der verdacht, dass die deutschen ein übermäßig positves verhältnis zur arbeit haben. viele definieren sich über die arbeit. ich hatte eltern, die waren in dieser beziehung typisch deutsch – ihnen wurde es wahrscheinlich zur nazizeit eingetrichtert. auf mich sprang dieses „gen“ allerdings nicht über. ich arbeite, weil ich meine miete etc. zahlen muss. ansonsten gilt: umso weniger desto besser. ich bin ausgesprochen gern faul.

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  5. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Auch wenn ich nicht gearbeitet habe, wurde die Freizeit niemals zur Last für mich! Im Gegenteil, ich betete darum, noch möglichst lange in diesem Zustand verharren zu dürfen. Arbeit war für mich nie etwas Sinnstiftendes, es diente und dient nur als Mittel zum Zweck: um Geld heranzuschaffen, damit man sich das Leben schön gestalten kann!

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