Anfänge

erikaWeihnachten 1962, als ich gerade 11 Jahre alt geworden war, brachte ich eine Sonderausgabe der Zeitschrift „Bonbon“ heraus, die ich kurz zuvor gegründet hatte.
Bonbon1Die Auflage dürfte drei bis vier Exemplare betragen haben, da ich zur Vervielfältigung nur Kohlepapier zur Verfügung hatte. Getippt hatte ich sie mit einer „Reise-Schreibmaschine“ der Marke „Erika“, die meine Mutter mir zur Verfügung gestellt hatte.
muttimiterikaDas mit einem anderen Vervielfältigungssystem hergestellte „Feuilleton“ wurde dann mit einer gesteigerten Auflagenzahl im zweistelligen Bereich produziert, also vermutlich 10 bis 11 Hefte.
Feuilleton3
Der „Treffpunkt“ entstand schliesslich mit Hilfe einer Vervielfältigungsmaschine, die mein Onkel, der im Schwarzwald Fabrikdirektor war, ausgemustert und mir geschenkt hatte. Jetzt gab es kein Halten mehr, auch das Redaktionsteam bestand inzwischen aus mehr als einer Person.
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treffpunkt4Was die genannte Auflage von 150 betrifft, dürfte es sich allerdings um einen Tippfehler handeln.
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Das Ende

Hab heute mal wieder einen „Leserbrief“ (so hiess das früher) / Kommentar / Forumsbeitrag auf Spiegel Online geschrieben.
SPON
http://www.spiegel.de/forum/politik/union-und-spd-nach-der-hessenwahl-auf-bewaehrung-thread-820310-4.html

WalserMerkel
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zehn-jahre-mit-angela-merkel-und-jetzt-13922623-p4.html

Nicht jeder Teppich ist rot

Es ging mir um ein ganz bestimmtes Zitat, in dem von einem Teppich die Rede war. Ich hatte nur noch eine vage Vorstellung davon, was ich einmal gelesen hatte, und googelte „Sprache Teppich ausrollen“. Leider erhielt ich nur Textstellen, in denen von einem roten Teppich die Rede war.

Erst nach längerem Suchen gelang es mir, im Spiegel-Archiv den Namen des Autors und die gesuchte Textstelle zu finden. Darin wurde der Sprache nicht etwa ein „roter Teppich ausgerollt“, noch wurde ein solcher überhaupt ausgerollt, sondern regelrecht ausgebreitet.

Teppiche werden von uns nämlich ausgebreitet, wenn wir über irgendwas mit irgendwem sprechen.

„Wir reden“, erklärt Dirk Baecker, „um immer mehr von dem zu verstehen, von dem wir gleichzeitig immer weniger verstehen.“

Das muss man erstmal zweimal lesen. Und auch dann versteht man es eher nur annäherungsweise.

„Wir reden, um einen Teppich auszubreiten, über den wir dann laufen können und unter dem wir die Welt vermuten. Wir reden nicht, um etwas herauszufinden, sondern um etwas auszuprobieren.“

Das Ich erfindet und zeigt sich mit jedem Satz neu. Es ist nie das gleiche wie noch vor ein paar Minuten. Wir sprechen, um uns voranzutasten, um alles bisher Gesagte und Gehörte weiterzuentwickeln, und um „zu hören, wie es klingt, am Klang zu erkennen, was wir eventuell noch meinen, und am Gegenüber zu erleben, wie weit das reicht.“

Wie weit hat das (bis zu) Dir jetzt gereicht, lieber Leser?

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/52715204

First Date

„Da haben wir ja schon etwas gemeinsam“

sagte der männliche Kandidat beim Blind Date zur Kandidatin, die ihm gerade irgendwas von sich erzählt hatte. Ich fand das schon verbal übergriffig. Wenn ich die Frau gewesen wäre, hätte ich den Eindruck gehabt, dass der mich vor sich hertreiben oder mir zumindest nachlaufen will.

Denn für ihn stand anscheinend schon fest, dass er mit mir, also mit dieser Frau, unbedingt etwas anfangen wollte. Obwohl sie sich bis vor einer halben Stunde noch nie vorher gesehen und auch keinerlei Telefonkontakt oder sonstiges Vorgespräch gehalten hatten.

Er ist mit der festen Absicht gekommen, hier und jetzt eine „Partnerin fürs Leben“ zu finden, obwohl er keine Ahnung haben konnte, wie die Dame aussehen und was für Eigenschaften sie haben würde.

So ein Satz ist dann nur der Versuch, mit der bis dahin Unbekannten eine Fortsetzung und Kontinuität anzustreben oder zu erzeugen, obwohl es noch gar keinen Anfang gab. Unbedingt, denn dazu ist er ja hier. Er muss das Match gewinnen.

Doch so kann daraus nichts werden. Was als Win-Win-Situation geplant war, wird zum Loose-Loose.

„Da sind wir ja schon wieder einer Meinung.“

 

Mit’m Radl da

handschrift
Trithemius
https://trittenheim.wordpress.com/
https://trittenheim.wordpress.com/2018/08/07/forschungsreise-zu-den-franken-5-anna/

Allez les Écolos

Mein Sohn Bastian wurde gestern in den Stadtrat von Wavre gewählt.
Bastian
Auch Schwiegertochter Catherine kandidierte.
Catherine
Am gestrigen Sonntag, 14. Oktober, bei den Kommunalwahlen in Belgien.
Ecolo
Ich hoffe das Beste für uns alle und wünsche den Grünen auch weiterhin immer mehr Stimmen.
ecolos

Bw = Brabant Wallon

Von Anhängern und Anhängerinnen

Es wurde von mir hier ja früher schon mal angedeutet, dass ich mein Auto ganz gerne mag. Inzwischen hat es über 200.000 km auf dem Buckel, von denen ich nur die ersten 30.000 nicht selber gefahren bin. Gedanklich stelle ich mich daher schon seit einiger Zeit darauf ein, dass irgendwann ein neuer gebrauchter Wagen fällig wird, und zwar möglichst wieder die gleiche Marke.
PTCruisergold
Einen solchen habe ich heute im Internet gesehen. Er hat etwas über 100.000 gefahrene Kilometer. Ich habe schon andere mit über 250.000 gesehen. Aber ich bin gar nicht richtig entschlossen, mich schon jetzt und ohne Not von meiner noch bestens laufenden Limousine zu trennen. Ich hänge an ihr.

Und an noch etwas anderem hänge ich. Oder besser, es hängt an mir. Ich spreche von dem Pentagramm, das ich seit rund zehn Jahren täglich als Halskettenanhänger trage.

Ich wurde ja schon des Öfteren darauf angesprochen, zuletzt vor drei Wochen von einer jungen Dame in Hildesheim. Sie entblösste auch gleich einen Teil ihres Körpers, um mir ihr Fünfeck-Tattoo zu zeigen, und bezeichnete sich als Anhängerin weisser Magie.

Bei Bloggerkollege Trithemius stiess ich heute, nach einem kurzen Kommentarwechsel, auf seine Einträge über schwarze Magie, ein in den Schnee gepisstes Pentagramm und andere Endlosfiguren wie das Haus vom Nikolaus. Man muss immer unten links oder unten rechts beginnen. Sonst klappt’s nicht.
https://trittenheim.wordpress.com/2015/12/06/nikolais-39-haeuser/
pentagramm-schlagen
Ausserdem erfuhr ich von ihm, dass das Pentagramm nicht nur eine Endlosfigur ist, mit der man sich bekreuzigen kann, sondern dass sich auch der Universalgelehrte Agrippa von Nettesheim zur Erklärung des Menschlichen Körpers auf das Pentagramm bezog, das den vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci charakterisiert.
Der vitruvianische Mensch von Leonardo da Vinci
Und jetzt mal eben den Lautsprecher voll aufdrehen. Here comes „Barcelona“, von Freddie Mercury und Montserrat Caballé.

Zehn kleine Negerlein

1. Wenn Du auf Netflix eine Serie siehst, die zehn Folgen hat, wobei in der ersten Episode ein Mord geschieht und auch schon der Täter gefunden wird, denkst Du: „Wie soll das noch weitergehen? Was soll in den übrigen neun Folgen noch passieren?“

2. Zehn kleine Negerlein hiess die deutsche Ausgabe des Krimis Ten little Indians von Agatha Christie. Heute heisst sie Und dann gabs keines mehr. In meiner Filmserie gibt’s nur einen Schwarzen. Der ermordet wird. Und viele Belgier. Skurrile, normale und sonstige.

3. Wenn in der dritten Folge des Films der wahre Mörder dann endlich gefunden scheint, kannst Du Dir doch wieder die Frage stellen, was in den restlichen sieben Episoden wohl noch so passieren könnte.
La-Treve
4. In La Trêve / The Break gibt es einen Mord, der mehrmals aufgeklärt scheint, wonach dann erneut eine unerwartete Wendung eintritt.

5. Der Film spielt in dem fiktiven Ort Heiderfeld in den Ardennen. Er ist eine Produktion des belgischen Fernsehens RTBF (Radio Télévision Belge Francophone). Die deutsche Version ist sehr gut synchronisiert.

6. Der Mörder ist noch immer nicht gefunden. Ich dachte plötzlich daran, dass ich den Film ja auch in der französischen Version anschauen könnte. Ich wechselte also den Audiokanal und vergass, die deutschen Untertitel auszuschalten. So konnte ich ständig feststellen, dass auch diese sehr gut sind. Zum Beispiel wird n’importe quoi ganz richtig und einfach mit Schwachsinn übersetzt. Damit hatte ich damals als Übersetzer manchmal Probleme.

7. Der Name des Handlungsorts Heiderfeld, tief im Ardennenwald, klingt zwar deutsch und ist fiktiv. Im Lauf des Films werden jedoch gelegentlich auch reale Orte wie Lüttich (Liège), Sprimont, Verviers, Jambes und das Flüsschen Semois erwähnt. Bürgermeisterin ist Frau Fischer (Madame Fischäähr).

8. In der achten Folge neue überraschende Wendung. Schätzungsweise die zwölfte oder fünfzehnte. Wenn Du diese Folge siehst, kannst Du praktisch nicht mehr einfach aussteigen und ins Bett gehen. Die Spannung ist so stark angestiegen, dass Du die letzten drei Folgen unbedingt noch in dieser Nacht sehen willst.

9. Wenn ich eine Rezension eines Buchs oder eines Films lese, in der nicht steht, dass es zahlreiche überraschende Wendungen gibt, entsteht bei mir erst gar kein Interesse. Jeder Text oder Film muss ständig unerwartete Wendungen haben, sonst schaffe ich es kaum, die Rezension überhaupt richtig zu Ende zu lesen. Auch wenn sie zu viele Angaben zur Handlung enthält, mindert dies mein Bedürfnis, das Buch zu lesen oder den Film zu sehen, ganz erheblich, wenn nicht gar komm! plett!
LaTreveF
10. So kurz vor Schluss kann man es einfach nicht glauben, dass in der zehnten Folge noch irgendetwas passieren könnte. Aber es bleibt spannend bis! zu! letzt! Ich bin die ganze Folge über sprachlos und fassungslos. Mehr darf hier nicht verraten werden.