Ich rufe wegen des Hundes an

– Hallo?
– Ja, schönen guten Tag, ich rufe wegen der Zweizimmerwohnung…
– Das tut mir leid, die ist schon vergeben.
– Ach, wie schade, so schnell…
– Ja, sie war ja schon am Wochenende in zwei Zeitungen gestanden und es   gab auch sehr viele Interessenten.
– Ach ja, und wären Hunde denn da erlaubt gewesen?
– ???Das kann ich Ihnen im Moment gar nicht sagen???
– Naja, wahrscheinlich sowieso nicht. Wir hätten ihn nämlich mitbringen    wollen, ohne ihn wären wir ja gar nicht umgezogen.
– ??? Ja … das tut … mir leid???
– Na, so ist das halt, da kann man nichts machen, vielen Dank jedenfalls.
– Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der weiteren Suche.
– Vielen Dank, das ist sehr nett. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen      noch.

Programmtipp

Bregenz

Heute Abend 22.00 Uhr im ZDF
Bregenzer Festspiele

Carmen

Aufführung der Oper von Bizet in einer Neuinszenierung von Kasper Holten

Mit deutschen Untertiteln

Carmen

Anschlussfehler

Warum sieht man in Filmen nie jemanden mit einer halb aufgerauchten Zigarette? Und was hat das mit Uhren, Trinkgeld und Kirschen zu tun?

Wenn im Abspann eines Films „Continuity“ steht, ist damit die Person gemeint, die für die richtige Kontinuität verantwortlich ist. Also zum Beispiel dafür, dass eine Wanduhr nicht zuerst 6.30 Uhr anzeigt und zwei Minuten später schon auf 7.30 Uhr steht.

Ähnliches gilt für das Rauchen. Weil es schwierig ist, immer die Zigarette genau so weit aufgeraucht im Bild zu zeigen wie es dem Zeitverlauf der Handlung oder des Dialogs entspricht, sieht man immer nur das Anzünden und die ersten Züge an der Zigarette.

Ausserdem sieht eine erst wenig gerauchte, also noch fast ganze Zigarette besser aus als wenn jemand eine bis auf den Filter heruntergerauchte Kippe in der Hand hält.

Auch im richtigen Leben müssen wir, die wir keine Schauspieler sind, darauf achten, dass uns keine Anschlussfehler unterlaufen. Oder wir müssen sie absichtlich einbauen. Weil wir eine bestimmte Kontinuität nicht beibehalten, sondern sie verändern wollen.

Stanley Kubrick hat in seinem Film „Shining“ absichtlich Anschlussfehler als Stil- und Kryptierungsmittel verwendet. Nach dem Motto: „Es muss ja nicht immer alles so bleiben, wie es schon immer war!“ Oder: „Ich beginne eine neue Kontinuität wann ich das will!“

Siehe auch

https://youtu.be/HbjfcDdi314

http://www.dieseher.de/film_shining_371.php

Ähnliches dachte ich mir neulich auch, als ich am Strassenrand bei einer netten alten Dame, vermutlich Kroatin, zwei Schalen Kirschen zu je vier Euro erstand und mit zehn Euro beglich.

Sie meinte, ich hätte ihr aus Versehen zu viel Geld gegeben, worauf ich ihr versicherte: „Das passt schon, vielen Dank!“ Sie freute sich sichtlich und bedankte sich herzlich.

Am Tag darauf wollte ich dann nur eine Schale Kirschen kaufen. Ich überlegte, ob ich ihr wieder Trinkgeld geben sollte, und wenn ja, wieviel. Ich entschied mich, wieder die Vier-Euro-Schale mit fünf Euro zu bezahlen.

„Das müssen sie aber nicht jedes Mal“, sagte sie. „Doch, doch,“ meinte ich, „die schmecken ja wirklich gut. Wie lange gibt es die noch?“ – „So zwei Wochen“, meinte sie.

Ich habe jetzt also an zwei Tagen einen Euro pro Schale als Trinkgeld gegeben. Und das werde ich auch die nächsten zwei Wochen noch tun, sooft ich da Kirschen kaufe. Die Frau soll wissen, dass sie sich auf mich verlassen kann. Das habe ich mir eingebrockt.

Ich möchte schliesslich als jemand wahrgenommen werden, auf den man zählen, mit dem man rechnen kann.

Deswegen achte ich darauf, dass mir keine Anschlussfehler unterlaufen.

3 Kirschen 500

Ein Land wos kein Aperitif gibt

Gestern war ich mal wieder beim Friseur. Dieses Mal zum ersten Mal bei Carmen. Sie war recht gesprächig, interessierte sich aber auch sehr dafür, was ich ihr so zu erzählen hatte.

Irgendwie kamen wir auf unterschiedliche Trinkgewohnheiten diesseits und jenseits des Rheins („outre-Rhin“) zu sprechen, insbesondere auf das Ritual der Franzosen, täglich um elf ihren Aperitif zu nehmen.

Ich erklärte ihr, dass dies in Deutschland praktisch völlig unbekannt ist, vor dem Essen abseits vom Esstisch, in einer Sitzecke oder gar einem Salon ein Gläschen zu nehmen („prendre un petit verre“) und dabei Smalltalk zu betreiben.

Sie war so erstaunt darüber, dass sie ihrer Arbeitskollegin am Stuhl nebenan sagte: „Hast du gehört, in Deutschland gibt’s keinen Aperitif!“ (Tu entends, chez les Allemands il n’y a pas d’apéro!) Darauf ihre Kollegin: „Eh bien, dans un pays où il n’y a pas d’apéro je ne pourrais pas vivre!“ (Also in einem Land ohne Aperitif könnte ich nicht leben.)

Naja wir mussten alle herzlich lachen und plauderten weiter über dies und das.

Ein oder zwei Abende vorher war ich beim Zappen auf Arte geraten, wo es eine Live-Übertragung von den Musikfestspielen in Aix-en-Provence gab. Und zwar handelte es sich um eine moderne Version eines weltberühmten Klassikers, die mich sofort begeisterte.

Das musste ich auch Carmen erzählen, die daraufhin meinte, sie werde sich das in der Mediathek ansehen.

Carmen von Bizet, inszeniert von Dmitri Tcherniakov
Wasn das für ne Oper?
Internationale Musikfestspiele in Aix-en-Provence
Männerballett?
Männerballett
Büroalltag?
Und mit spitzen Lippen rauchen sie
Rauchen? Raucheroper? Tabakfabrik? Carmen?

Die ganze Oper von Georges Bizet gibt es auf Französisch mit deutschen Untertiteln hier: https://tinyurl.com/qnlhrex

Banale Notiz zum neuen Rentnergefühl

Früher, als selbständiger Unternehmer, musste ich ja immer an die Folgen meiner Taten oder Untaten denken. Wenn ich Lust zum Nichtstun hatte, hatte ich ungewollt und unbewusst den Hintergedanken, dass Untätigkeit automatisch Verdienstausfall bedeutet.

Jetzt, wo ich weiss, dass ich auf jeden Fall am Ende des Monats einen vorhersehbaren Geldeingang auf dem Konto haben werde, kann ich es mir leisten, täglich neu zu entscheiden, ob ich etwas oder nichts tun möchte.

Jetzt sind es eher gesundheitliche Aspekte, auf die ich achten muss. Also nicht zu viel Eis und Süssigkeiten essen. Rauchen und Trinken hatte ich mir ja eh schon abgewöhnt. Ich muss, darf und soll also an mich selber denken.

Das tue ich jetzt. Ich beende diesen Text, weil mir spontan im Moment nichts Gescheites zu diesem doch sehr komplexen Thema einfällt.

Die Frage bei diesem schönen Wetter an diesem sonnigen Tag, an dem es 35° heiss werden soll, ist eigentlich nur: Erdbeerbecher auf dem Rathausplatz, Eiskaffee im Kurpark oder mit meiner Frau ins Restaurant gehen? Oder irgendeine Kombination dieser Möglichkeiten?

Schwere Entscheidung.

Ultimo

So, heute ist Monatsende und ich habe das Gefühl, dass ich unbedingt noch einen Eintrag diktieren muss beziehungsweise möchte. Ich habe ja ein neues Diktierprogramm, das meine gesprochenen Worte direkt in Schrift umsetzt. Das ist schon eine kleine Revolution für mich.

Diktiert habe ich ja in den 1990er Jahren jede Menge Übersetzungen, brauchte aber immer meine Sekretärin Evi in Aachen zum Transkribieren. Sie war eine echte Perle, das muss ich ihr nochmal ausdrücklich nachsagen.

Trithemius

Was im übrigen gesprochene Schrift betrifft, ist das Werk „Buchkultur im Abendrot“ von Jules van der Ley sehr interessant. Der Autor, der etwa in meinem Alter sein müsste, hat sich mit Schrift im weitesten Sinne in Worten und Taten befasst. Er war Buchdrucker und Schriftsetzer und dann Deutschlehrer am Gymnasium. Jetzt ist er Blogger –
https://trittenheim.wordpress.com/ – und Autor. Das Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, liest sich sehr gut. So sagt man doch. Obwohl es sich natürlich nicht selber lesen kann.

Buchkultur

Ab sofort bin ich richtiger Rentner. Mit drei Renten. Eine bekomme ich aus Deutschland und zwei aus Belgien, fürs Arbeiten als Angestellter in Brüssel und als Selbständiger in der Wallonie. Es ist nicht sehr viel Geld, was ich da bekomme, aber es ist wenigstens echt und kommt immer pünktlich am Monatsende.

Auch Falschgeld kann einen richtigen Wert haben, der manchmal sogar richtig steigt wie ein Aktienkurs. Ich meine jetzt die Souvenirscheine auf richtigem Geldpapier, die zum Beispiel in Düsseldorf schon total vergriffen sind, weil da morgen der Grand Départ der Tour de France stattfindet.

euro

Wahrscheinlich werde ich auch dieses Jahr wieder einige Stunden am Fernseher verbringen. Weniger aus sportlichem Interesse als vielmehr wegen der schönen Landschaften, die die Kameramänner von ihren Motorrädern aus liefern.

Tour2017

Neue 2,50-Scheine

Schweizer Franken


An der Supermarktkasse in der Schweiz machte ich heute wechselgeldmässig Bekanntschaft mit einem neuen Geldschein. Er sieht gut aus, liegt gut in der Hand und vermittelt allgemein ein Gefühl von hoher Wertigkeit. Irgendwie bissle mehr als 20 Euro, könnte man meinen. Tatsächlich ist er eher weniger wert. 20 Schweizer Fränkli sind irgendwas zwischen 19 und 20 Euro. Gut dass ich ihn mir genau angeschaut habe.

Null Euro

Es wurden nämlich soeben echte Falschgeldscheine von der Europäischen Zentralbank ausgegeben. Sie fühlen sich auch sehr wertig an, haben Wasserzeichen und Hologram und den ganzen Sicherheitskram, sind aber nur null Euro wert. Steht ganz gross drauf. Verkauft werden sie für 2,50 Euro. Nicht Schweizer Franken. Hab ich nochmal Glück gehabt. Dass die Schweizer nicht in der EU sind.

Heute schon geschweppt?

Heute bin ich echt ins Schwitzen gekommen. Die Aussentemperatur war 36°C und ich hatte einen Riesendurst. Bin ich nach Frankreich zum Supermarkt Hyper U in Sierentz gefahren und hab 4 Liter Schweppes Agrum‘ in 2 × 6 Dosen gekauft. In der deutschen Version Fruity Citrus schmeckt das wie Fanta, also bisschen fad.

500Schweppesagrum

Auf der Heimfahrt schwitzte ich im Auto und das Schwitzen ging auch weiter, als ich den schweren Korb, in dem sich auch noch eine französische Melone und anderes befand, vom Auto bis zum Hauseingang trug.

Da lief mir doch gerade der energiegeladene grosse Sohn der netten alten Dame (96) über den Weg, die in der Wohnung unter mir im Parterre (frz. rez-de-chaussée) wohnt und von ihrem Sohn regelmässig besucht wird.

Ich sagte: „Kannst Du mir eventuell den Korb eben hochtragen? Bei der Hitze soll man ja viel trinken, aber das Transportieren von Getränken führt dann erst mal zu noch mehr Schwitzen.“

Er sprang eben die beiden Treppen mit meinem schweren Korb nach oben, worauf ich mich herzlich bedankte. „Hast was gut bei mir!“ Er meinte, das sei doch nicht der Rede wert.

Den ersten Liter habe ich inzwischen schon getrunken.

Prost!

Dieser Text wurde mit der Dragon App ins Handy diktiert. Dabei wird das Diktierte direkt in geschriebenen Text verwandelt, den man dann nur noch korrekturlesen muss.

Meine Komfortzone

In den zehn Jahren, die ich jetzt hier wohne, im Markgräflerland, am Oberrhein zwischen Freiburg und Basel, hat sich ein gewisses Komfortgefühl entwickelt, eine Art Komfortzone, in der ich mich auch ein bisschen zu Hause und vertraut fühlen kann. Und zwar dies ist das Dreiländereck Deutschland / Schweiz / Frankreich.

Ich fahre gerne durch diese Landschaft und drehe auch des öfteren eine Einkaufsrunde, die mich dann in relativ kurzer Zeit durch alle drei Länder führt. An jeder dieser Grenzen freue ich mich aufs Neue, wenn ich einfach so drüber fahren kann, auch wenn mal eine Polizei- oder Zollkontrolle stattfindet. Ich liebe Grenzen.

Dreiländertour

Wenn ich los fahre, fahre ich in Schlingen auf die B3 und dann über Binzen nach Weil am Rhein und dann geht es schon ab nach Riehen in der Schweiz.

Riehen ist der erste Ort nach der schweizerischen Grenze, der noch zu Basel gehört, aber nicht so grossstädtisch ist, sodass ich da immer noch einen Parkplatz finde, wenn ich in der Migros einkaufen gehe. Die Migros ist ein Supermarkt, in dem es alles gibt, ausser Alkohol und Zigaretten, aber das brauche ich auch nicht.

Dann fahre ich entweder wieder direkt zurück oder gerne auch über Frankreich. Also wieder über die Grenze und dann am Flughafen Basel / Mulhouse vorbei, der genau an der Grenze, aber auf französischem Gebiet liegt. Dann fahre ich weiter nach Sierentz, wo es einen großen französischen Supermarkt, den Hyper U gibt, zu dem ich auch sehr gerne fahre. Da gibt es leckere Spezialitäten des Landes.

Schweiz Getränke Lassi Mango Bio Eistee Alpenkräuter

Die gibt es in der Schweiz auch, aber dort ist eben alles ein bisschen teurer, dafür ist in Frankreich alles ein bisschen besser, was das Essen betrifft. Dann fahre ich durch die elsässische Landschaft wieder zurück bis zum Grenzübergang Chalampé / Neuenburg, und dann bin ich auch wieder daheim in Neuenburg-Steinenstadt. Das ganze macht mir eigentlich immer wieder Spaß.

Die Woche in Bildern

Lilli Sonntagnachmittag im Steakhouse Neuenburg am Sonntagnachmittag
Vorigen Sonntag waren wir zum Mittagessen im Neuenburger Steakhaus.
Panier Gourmand in Oderen
Dienstag war ich in Ventron in den Vogesen. Dieses Foto machte ich auf der Durchfahrt in Oderen.
Jules van der Ley, Buchkultur im Abendrot
Das Buch des Bloggerkollegen vom Teestübchen Trithemius ist erschienen.
Überlingen, Warten auf das Schiff zur Insel Mainau
Das war gestern am Bodensee. In Überlingen warteten wir auf das Schiff zur Insel Mainau.
Martin Walser
Ein Zitat aus Martin Walsers neuestem Werk begleitet mich nun schon seit einiger Zeit. Und zwar irgendwie erfolgreich, wie ich finde.

Bleib in der Zeile, die Du schreibst. Kündige den Zusammenhang.