Mitbringsel

In einem berühmten Film – ich glaube, es ist „Lost in Translation“ – bittet eine Dame in Japan darum, der Mann, der nach Frankreich muss, möge ihr Seife aus Marseille („Savon de Marseille“) mitbringen. Das sei die beste der Welt.

savonmarseille

Auch meine schwäbischen Schwägerinnen haben uns darum gebeten, ihnen entsprechenden Nachschub mitzubringen, wenn wir demnächst zu (Schwieger)mutters Geburtstag auf die Alb fahren.

mitbringsel

Ausser der Seife mögen sie auch süsse Würfel aus rohem Rohrzucker, auf deren Geschmack ich sie gebracht habe, als sie mal bei uns Kaffee tranken.

Eloise und andere Frauen


Das war ein ganz guter Tag heute. Um 11 Uhr hatte ich Termin in Wolfach bei meiner Zahnärztin. Die professionelle Zahnreinigung machte ihre Assistentin, mit der ich anschliessend noch ein nettes Gespräch hatte.

Ich kenne Wolfach ja seit meiner Kindheit und sie wohnt in Sichtweite des grossen Jugendstilhauses, in dem meine Oma und mein Onkel mit seiner Familie wohnten. Leider wurde es vor ein paar Jahren abgerissen und an dieser Stelle ist jetzt ein Parkplatz der Firma Sachtleben, deren Direktor mein Onkel damals war.

Wir sprachen über Orte, die wir beide kennen. Also die Fabrik, die beiden Bauernhöfe von Schmittebauer und Schmittechristel, die Bahnstrecke, auf der ich als Kind noch Dampfloks vorbeifahren sah, und den grossen Garten meiner Tante, der ebenfalls plattgemacht und zu einem Parkplatz umfunktioniert wurde.

Auf dem Rückweg kaufte ich dann noch einen neuen Einkaufskorb beim Welzel in Hausach und im Elztal Erdbeeren und Kirschen an einem Stand am Strassenrand.

Korb Welzel

Zu Hause angekommen las ich den neuesten Eintrag meiner Frau in „Nells Tagebuch“. Wir plauderten ein bisschen und assen dabei Kirschen. Dann machte ich uns auch gleich die Erdbeermilch, die sie immer ganz gerne mag und die jedesmal bissle anders schmeckt. Mal ist sie etwas zu süss und mal nicht süss genug. Naja, ich muss halt üben, üben, üben!

Sie legte sich dann ein bisschen zum Vorschlafen hin und ich fuhr noch kurz nach Frankreich rüber, um ein paar Sachen im französischen Supermarkt zu besorgen.

Wir tranken zusammen den üblichen Tee, bevor sie um 21.30 Uhr zur Nachtschicht aufbrach.

Es war ja praktisch noch hell und ich hatte keine Lust, den Allein-zu-Hause-Abend schon zu beginnen. So fuhr ich eine kleine Tour durch die anbrechende Nacht, durch Neuenburg, Müllheim und Heitersheim auf der B3.

Im Auto hörte ich Radio Dreyeckland. Auf einmal spielten sie „Eloise“ von Barry Ryan! Da hab ich dann voll aufgedreht!

Vom zweiten Grad ins erste Glied

Die Rolle, die die meisten von uns im politischen Diskurs spielen, ist ja hauptsächlich eine passive. Sie besteht zum grössten Teil aus dem Hören, Lesen und Sehen von Informationen und Nachrichten. Diese werden dann oft unvollständig bis falsch in privaten Gesprächen, am Stammtisch oder als Smalltalk auf Parties und Kindergeburtstagen weitergegeben. Dort werden sie erwähnt und besprochen, um nicht das grössere Wort „diskutiert“ zu missbrauchen.

Solche Besprechung erfolgt in fast allen Fällen top-down: Man geht von einer bei sich selbst oder beim Gesprächspartner vorhandenen allgemeinen Idee aus, zum Beispiel „Ausländer schaden uns nur“, und bestärkt sich dann gegenseitig durch Suchen, Finden und Aufzählen von Beispielen für die Richtigkeit dieser Meinung. So entsteht Geschwätz und Kommunikation zweiten Grades. Deren Sprache hat keinen direkten Aufforderungscharakter, sie richtet sich an keine kompetente oder handlungsbefugte Person und ist letztlich beliebig.

Derart beliebige und letztlich unbegründete Meinungsfragmente gehen dann bottom-up in eine gemeinsame Richtung, um sich zu einem Haufen gedanklichen Komposts zu verdichten, auf dem so etwas wie die Ah Äff Deeh gedeihen kann.

Diese beginnt dann, in Kommunikation ersten Grades ihren Haufen in den öffentlichen Diskurs herunterzubrechen. So entsteht dann allerdings auch der allgemeiner Wirrwarr in Köpfen und Medien, in den man wie in einen Strudel hineingezogen wird, dessen Bewegungsrichtung jeden nach unten ins Verderben zieht, der ihm hilflos ausgeliefert ist.

Der einzige Ausweg für den denkenden Menschen besteht nun darin, sich geistig so zu verhalten, wie man sich in einem Wasserstrudel verhalten muss, um dem Ertrinken zu entgehen: Man lässt sich erst mal bis ganz nach unten ziehen; das haben wir ja schon getan. Und wenn man mit den Füssen am Boden angekommen ist, geht man wie um Anlauf zu nehmen in die Hocke. Und stösst sich dann mit aller Kraft schräg nach oben ab, um so den Strudel zu verlassen, an die Oberfläche zu gelangen und Land zu gewinnen.

Erst dann kann man anfangen, wieder vernünftige Gedanken zu entwickeln.

Schpräschen Sie Ausländisch?

Wenn isch im Autoradio von Sükerberg und Bayääär schpreschen öre, dann weiss isch natürrrlisch, welsche Firma und welscher Ami damit gemeint ist. Oder sind. Isch bin ja auf „France Info“. Wen Sie eute mit Dohke Mikkel meinten, abe isch allerdings nischt auf An-ieb verschdanden. Isch müsste mal kurz in und är grübelen bis es misch wie Silikon aus där Brüst fiel. Gemeint war där internationale Chemiekonzern „Dow Chemical“, der unter anderem Silikonimplantate für Frauen errschtellt. Voilá.

 

La famille

Lafamille

Von links nach rechts: Tochter Candy, Enkelin Emeline, Schwester Uli, meine Ex, Sohn Bastian, Enkel Bruno, Enkelin Anaïs und Tochter Salomé

Eine meiner beiden Schwestern ist seit ein paar Tagen in Belgien unterwegs. Gestern hatte sie sich mit meinem Sohn verabredet, meine Ex in der Reha-Klinik zu besuchen. Abends schickte sie mir dann ein paar Fotos. Nicht auf dem Bild sind Bastians Frau und Kinder und die beiden Schwiegersöhne. Demnächst soll es wieder mal ein grösseres Familientreffen geben.

Eine neue Liebe

Ob man in einem kurzen Nachruf auf Jürgen Marcus das schöne Lied „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ daraufhin abklopfen soll, „was der Text jedoch nicht sagt“, möchte ich zumindest mal dahingestellt lassen.

Klar, dass ein neues „Leben nicht unbedingt ein positives sein muss“, das weiss man ja nie. „Es kann positiv sein … oder vielleicht auch negativ“. Die einen sagen so und die andern sagen so. So what?!

Und, klar ist Liebe „nicht … zwangsweise die Lösung aller Probleme.“ Hat ja wohl auch niemand behauptet. Warum soll man dann das, wenn man sich freut oder verliebt ist oder auch nur „diesen Schlager mitsummt, im Hinterkopf haben“? Das ist doch Blödsinn.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben! Und das ist auch gut so. Es ist ein Evergreen und ein Ohrwurm. Ich fand das Lied vor fast 50 Jahren gut und es gefällt mir auch heute noch. Hinterkopf hin, Hinterkopf her.

Anlass zu diesem Eintrag waren mir diese
Gedanken zum Schlagersänger Jürgen Marcus
wozu ich dort auch einen Kommentar hinterliess.

 

Spiesser oder nicht – das ist hier die Frage

Hallo allerseits!

Neulich musste ich für eine Nachbarin ein Dokument im Krankenhaus abholen. Der Parkplatz war proppenvoll. Ah nein, zwei Plätze waren noch frei. Genauer gesagt, auf jedem stand nur ein halbes Auto. Das haben wir gerne! Ein einziges Auto blockiert rittlings auf der Trennlinie stehend zwei Parkplätze.

Man kennt das ja, sieht es leider ziemlich oft. Und jedes Mal denkt man automatisch – jedenfalls geht es mir so – dass man irgendwas gegen solche Leute tun sollte.

Von den französischen Autos, die hier beim Edeka manchmal alle fünf Behinderten-Parkplätze blockieren, will ich gar nicht erst reden. Ich selber brauche ja keinen, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass so viele Franzosen behindert sein sollen. Und ein Sprachproblem kann es ja wohl auch nicht sein.

Jetzt sah ich mehr oder weniger zufällig bei einem großen Online-Anbieter, wo es ja so gut wie alles und somit auch für jedes Problem eine Lösung gibt, einen Block mit vorgefertigten Haftzetteln. Die kann man dann bei der nächsten Gelegenheit der jeweiligen Dumpfbacke unter den Wischer klemmen.

SCHEISSE GEPARKT

Jetzt aber meine Frage. Bin ich ein Spiesser geworden? Ich habe noch kein Kissen auf der Fensterbank liegen, auf das ich mich auflehnen könnte, um den Strassenverkehr vor dem Haus zu beobachten. Da ist nämlich keiner. Trotzdem frage ich mich, hätte ich sowas vor 20, 30 oder 40 Jahren auch schon gemacht? Solche schulmeisterlichen Zettel verteilen? Oder gab es diese Probleme – und solche Zettelblocks – früher noch gar nicht?

Grübelnd einen schönen Tag wünscht allen seinen Leserinnen und Lesern

Der Schreibman

 

Asperger

 

Jetzt kenne ich schon mehrere Personen mit der Diagnose Asperger. Als ich das Wort zum ersten Mal las, wusste ich noch nicht, dass es sich dabei um den Namen von Herrn Asperger handelt, der seit den 1940er Jahren namensgebend war.

Ich musste zuerst an die beiden französischen Wörter „asperge“ und „asperger“ denken, also „Spargel“ beziehungsweise „bestreuen, besprengen, besprühen, bespritzen“, die natürlich nichts mit dem Namen des Herrn Asperger zu tun haben.

Ich hatte schon einmal gedacht, die Aspergers könnten doch einen Club aufmachen, einen Asperger-Verein. Gibt es wahrscheinlich auch schon.

Aber das ist ja eigentlich genau das, was sie nicht wollen, denke ich mal. Denn schliesslich ist es ein Charakteristikum ihrer Diagnose, dass jeder in seiner eigenen kleinen Welt lebt. Und wenn nicht, dann wollen sie doch wohl möglichst als Menschen wie Du und ich betrachtet werden, was sie in vieler Hinsicht ja auch sind. So wie wir manchmal sind wie sie.

Ist nicht jeder ein bisschen Asperger, frage ich mich manchmal.

Wenn jemand einen Text darüber veröffentlicht, wie schlecht es ihm geht, und sich dann darüber ärgert, wenn er oder sie „Gefällt mir“-Klicks erhält und dann fast aggressiv fragt „Was gefällt Dir denn daran?“, dann fragt man sich doch, ob man etwas falsch gemacht hat. Oder was man hätte besser machen oder besser nicht machen sollen.

Wenn jemand alles immer nur auf sich bezieht und nur mit seinen eigenen Erfahrungen vergleichen und aus seiner eigenen kleinen Welt berichten kann – ist das schon Asperger oder noch ganz normales Tagebuch schreiben oder gar Literatur?

Wenn jemand Texte schreibt, in denen er oder sie schonungslos seine egozentrischen Gedanken offenlegt, ohne Rücksicht darauf, wen diese interessieren oder wie sie beim Leser wirken könnten – ist das immer gut oder ist es Asperger?

Darf man solche Fragen überhaupt stellen?

 

Besitz ergreifen und loslassen

Drinnen geht besser als draussen. In dem Bus, der uns anderthalb Stunden lang durch Wiesbaden fährt, ist es sehr angenehm, bei 27° draussen. Die Stadt ist die letzte Station unserer Flusskreuzfahrt. Ich habe hier mal drei Jahre lang gewohnt, da war ich 13 bis 15 Jahre alt.

An „meiner“ Wolfram-von- Eschenbach-Strasse im Dichterviertel sind wir vorbeigefahren, jetzt sind wir im Komponistenviertel, am Bundeskriminalamt und der orthodoxen Kirche vorbei und durch Sonnenberg gefahren, wo einer meiner Klassenkameraden wohnte, der heute Professor für Kommunikationswissenschaft in Austin (Texas) ist.

Wiesbaden ist eine schöne und reiche Stadt und ich habe sehr gute Erinnerungen an „meine“ Zeit dort in den 1960er Jahren.

Inzwischen hat sich natürlich viel verändert. Es ist nicht mehr „meine“ Stadt. Ich vermeide auch jeden Versuch, sie mir irgendwie wieder anzueignen oder Besitz von ihr zu ergreifen. Sie ist mir angenehm fremd geworden.

Besitz ergreifen möchte ich jetzt nur noch von einem grossen Erdbeerbecher auf dem Dern’schen Gelände. Und heute Abend gibt es dann das Abschieds-Gala-Essen auf dem Schiff.