Frauen kann das kaum gefallen

Obwohl Michael Douglas die Hauptrolle spielt. In seiner ersten Netflix-Serie,“The Kominsky Method“, bestehend aus sechs Folgen. Ich bin in der dritten Folge und bis jetzt haben Douglas und sein Freund nur wenig Gutes erfahren. Dem einen ist die Frau gestorben und der andere hat’s mit der Prostata.

Das ganze wird mit ein bisschen mehr oder weniger zynischem Humor untermalt, völlig unpassend, wie ich meine.

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Männerfreundschaft zwischen den beiden gut situierten Herren schlägt sich dann in Zurufen wie „Du alter Wichser, Du!“ aus. Ich frage mich echt, wer sowas lustig finden soll.

Vielleicht die Damen? Sie bestimmen ja mehr und mehr das ganze kulturelle Geschehen von Film bis Literatur. Man muss wohl ein echter Frauenversteher sein oder Harald Schmidt heissen, wenn man dahinterkommen will, warum Ladies bei abgerissenen Typen wie Michel Houellebecq, der gerade wieder geheiratet hat, Schlange stehen.

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Foto aus: DER SPIEGEL 34/2005.
http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/41506003
So schlimm sieht der Michael Douglas ja nun auch wieder nicht aus.

http://www.spiegel.de/plus/warum-frankreichs-nationaldichter-michel-houellebecq-so-einen-schlag-bei-frauen-hat-a-e6284c7e-eb14-4fb4-b9ac-75204c9ee004

Der Stand / Lauf der Dinge

Per Beantwortungsgerät wurde ich gebeten, mich später noch einmal zu melden. Im Moment seien viele Patienten in der Praxis, weswegen man nicht sofort alle Anrufe beantworten könne.

Ich hatte ja ihre E-Mail-Adresse und schrieb wie folgt vormittags um 11:30 Uhr.

Guten Tag Frau Dr. X,

da mein Hausarzt, der mich an Sie überwiesen hat, mir keine Überweisung zu einer Physiotherapie ausstellen wollte, habe ich auf eigene Faust Kontakt mit einer therapeutischen Praxis aufgenommen. Ich bin gegebenenfalls auch bereit, die Kosten selber zu übernehmen.

Die Physiotherapeutin, Frau — in — , bittet mich jedoch um einen Befund von Ihnen, um ihre Behandlung besser auf mich abstimmen zu können.

In Erwartung einer Nachricht von Ihnen und mit freundlichen Grüssen

Die Antwort meiner freundlichen Neurologin kam noch am gleichen Tag um 19.30 Uhr.

Lieber Herr Y,

Sie können morgen Ihren Brief und den Verordnungsschein für KG bei mir in der Praxis abholen – oder soll ich Ihnen beides zuschicken lassen?

Herzliche Grüße,

Mit dem Schein für zehn Einheiten kann ich jetzt zur Physiotherapeutin gehen.

Warum schreibe ich das? Weil ich mich freue, dass etwas vorangeht. Und dass die Neurologin so prompt und positiv geantwortet hat, nachdem ich vorher ja eher abschlägig beschieden worden war.

In dem ansonsten eher medizinischen Befund stand übrigens auch ein für mich ganz gut verständlicher Satz über meine Person. „Wacher, freundlich zugewandter, affektiv gut schwingungsfähiger Patient ohne pathologische Denkinhalte oder formale Denkstörungen.“

Alles wird gut.

Halbzeit

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Martin Walser hochschätze ich, seit ich 1963 seinen Roman Halbzeit las. Seitdem war für mich immer mal wieder Halbzeit und ich besuchte ihn auch wiederholt auf Lesungen im Land.

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Wie er fühlte ich mich damals als Linker und Kommunist und wäre ebenfalls wie er fast in die Kommunistische Partei eingetreten. Und wie er empfand ich schon damals die DDR als etwas völlig Unnatürliches, als alle sie noch in Anführungszeichen setzten.

Und ebenfalls wie er empfand ich seinen schärfster Kritiker, Marcel Reich-Ranicki, immer nur irgendwie widerlich.

Und wieder teile ich mit ihm eine wundersame Wandlung. Die von einem Gegner von allem, was nach Rechts und CDU riecht, zu einem Bewunderer der Kanzlerin Merkel.

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Während Walser Geschichten veröffentlichte, machte sie Geschichte.

Walser preist sie auf wunderschöne Weise im heutigen Spiegel Nr. 46.

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https://magazin.spiegel.de/SP/2018/46/160712930/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage

Und würdigt eine ihrer Stärken.

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Und das gilt nicht nur für’s Reden, sondern auch für’s Schreiben.

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/10/29/das-ende/

Wunderheiler und Simulant?

Meinem neuen Hausarzt – bisher hatte ich gar keinen – berichtete ich gestern von meinen beiden Besuchen bei der Neurologin, an die er mich überwiesen hatte.

Als ich ihn fragte, ob er mir ein Rezept für Physiotherapie ausstellen könne, meinte er nein, das sei rausgeschmissenes Geld. Würde mir genauso wenig nützen wie die Alpha Lipon Säure Tabletten.

Ich könne doch laufen. Was ja auch stimmt. Ich solle Stock, Rollator und Pillen vergessen. Und einfach nur laufen. Am besten gleich den Rollator bei ihm stehen lassen und freihändig zu meinem Auto auf den Parkplatz gehen.

Vielleicht wäre das ja schon der erste  Schritt gewesen. Oder einfach nur ein Flug auf die Schnauze.

Ich überlegte bissle hin und her, ob ich nun eher in die Kategorie Der hat ja garnichts oder Der sollte unbedingt was tun gehöre, und entschied mich dann, auf jeden Fall mal Physiotherapie zu machen. Ob mit oder ohne Rezept.

Erster Termin ist nächste Woche.

Novembereis

Novembereis

Meine Frau sagt ja, dass ich ein bisschen mehr labere, seit ich diese Alpha Lipon Säure Tabletten nehme. Das sind rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel, also keine Psychopharmaka oder sowas.

Irgendwo hat sie sicher Recht. Ich merke das selber, dass ich manchmal etwas mehr rede als sonst. Naja, das ist ja auch gar nicht so schwierig, weil ich sonst eigentlich ein ziemlich ruhiger und oft auch schweigsamer Mensch bin.

Gerade eben beim Frühstück, als die Sonne voll auf unseren Küchentisch schien, bekam ich nochmal Lust auf Eis. Solche Erdbeereis-Hörnchen habe ich ja den ganzen Sommer über fast täglich vernascht. Und dann ziemlich abrupt damit aufgehört, als der Sommer plötzlich vorbei war.

Und ebenfalls wegen des schönen Wetters hatte ich dann auch Lust, mir nochmal ein kurzärmliges Hemd anzuziehen und mich so von meiner Liebsten fotografieren zu lassen.

Ich gerate schon wieder ins Labern. Dabei habe ich zu nichts mehr Lust als dazu, mal wieder was einigermaßen Intelligentes zu schreiben, was den Einen oder Anderen zum Nachdenken anregt.

Aber, so sage ich mir, zwischendurch kann man es auch ruhig mal etwas easy angehen lassen.

Long live the bride!

Gestern in Kanada

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Mein Sohn Bastian mit seinem Patenonkel Axel

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Tony, Tochter meines Bruders Axel, mit Bräutigam Patrick

 

Anfänge

erikaWeihnachten 1962, als ich gerade 11 Jahre alt geworden war, brachte ich eine Sonderausgabe der Zeitschrift „Bonbon“ heraus, die ich kurz zuvor gegründet hatte.
Bonbon1Die Auflage dürfte drei bis vier Exemplare betragen haben, da ich zur Vervielfältigung nur Kohlepapier zur Verfügung hatte. Getippt hatte ich sie mit einer „Reise-Schreibmaschine“ der Marke „Erika“, die meine Mutter mir zur Verfügung gestellt hatte.
muttimiterikaDas mit einem anderen Vervielfältigungssystem hergestellte „Feuilleton“ wurde dann mit einer gesteigerten Auflagenzahl im zweistelligen Bereich produziert, also vermutlich 10 bis 11 Hefte.
Feuilleton3
Der „Treffpunkt“ entstand schliesslich mit Hilfe einer Vervielfältigungsmaschine, die mein Onkel, der im Schwarzwald Fabrikdirektor war, ausgemustert und mir geschenkt hatte. Jetzt gab es kein Halten mehr, auch das Redaktionsteam bestand inzwischen aus mehr als einer Person.
treffpunkt5
treffpunkt4Was die genannte Auflage von 150 betrifft, dürfte es sich allerdings um einen Tippfehler handeln.
treffpunkt6

Das Ende

Hab heute mal wieder einen „Leserbrief“ (so hiess das früher) / Kommentar / Forumsbeitrag auf Spiegel Online geschrieben.
SPON
http://www.spiegel.de/forum/politik/union-und-spd-nach-der-hessenwahl-auf-bewaehrung-thread-820310-4.html

WalserMerkel
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zehn-jahre-mit-angela-merkel-und-jetzt-13922623-p4.html

Nicht jeder Teppich ist rot

Es ging mir um ein ganz bestimmtes Zitat, in dem von einem Teppich die Rede war. Ich hatte nur noch eine vage Vorstellung davon, was ich einmal gelesen hatte, und googelte „Sprache Teppich ausrollen“. Leider erhielt ich nur Textstellen, in denen von einem roten Teppich die Rede war.

Erst nach längerem Suchen gelang es mir, im Spiegel-Archiv den Namen des Autors und die gesuchte Textstelle zu finden. Darin wurde der Sprache nicht etwa ein „roter Teppich ausgerollt“, noch wurde ein solcher überhaupt ausgerollt, sondern regelrecht ausgebreitet.

Teppiche werden von uns nämlich ausgebreitet, wenn wir über irgendwas mit irgendwem sprechen.

„Wir reden“, erklärt Dirk Baecker, „um immer mehr von dem zu verstehen, von dem wir gleichzeitig immer weniger verstehen.“

Das muss man erstmal zweimal lesen. Und auch dann versteht man es eher nur annäherungsweise.

„Wir reden, um einen Teppich auszubreiten, über den wir dann laufen können und unter dem wir die Welt vermuten. Wir reden nicht, um etwas herauszufinden, sondern um etwas auszuprobieren.“

Das Ich erfindet und zeigt sich mit jedem Satz neu. Es ist nie das gleiche wie noch vor ein paar Minuten. Wir sprechen, um uns voranzutasten, um alles bisher Gesagte und Gehörte weiterzuentwickeln, und um „zu hören, wie es klingt, am Klang zu erkennen, was wir eventuell noch meinen, und am Gegenüber zu erleben, wie weit das reicht.“

Wie weit hat das (bis zu) Dir jetzt gereicht, lieber Leser?

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/52715204

First Date

„Da haben wir ja schon etwas gemeinsam“

sagte der männliche Kandidat beim Blind Date zur Kandidatin, die ihm gerade irgendwas von sich erzählt hatte. Ich fand das schon verbal übergriffig. Wenn ich die Frau gewesen wäre, hätte ich den Eindruck gehabt, dass der mich vor sich hertreiben oder mir zumindest nachlaufen will.

Denn für ihn stand anscheinend schon fest, dass er mit mir, also mit dieser Frau, unbedingt etwas anfangen wollte. Obwohl sie sich bis vor einer halben Stunde noch nie vorher gesehen und auch keinerlei Telefonkontakt oder sonstiges Vorgespräch gehalten hatten.

Er ist mit der festen Absicht gekommen, hier und jetzt eine „Partnerin fürs Leben“ zu finden, obwohl er keine Ahnung haben konnte, wie die Dame aussehen und was für Eigenschaften sie haben würde.

So ein Satz ist dann nur der Versuch, mit der bis dahin Unbekannten eine Fortsetzung und Kontinuität anzustreben oder zu erzeugen, obwohl es noch gar keinen Anfang gab. Unbedingt, denn dazu ist er ja hier. Er muss das Match gewinnen.

Doch so kann daraus nichts werden. Was als Win-Win-Situation geplant war, wird zum Loose-Loose.

„Da sind wir ja schon wieder einer Meinung.“