Halbzeit

walser

Martin Walser hochschätze ich, seit ich 1963 seinen Roman Halbzeit las. Seitdem war für mich immer mal wieder Halbzeit und ich besuchte ihn auch wiederholt auf Lesungen im Land.

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Wie er fühlte ich mich damals als Linker und Kommunist und wäre ebenfalls wie er fast in die Kommunistische Partei eingetreten. Und wie er empfand ich schon damals die DDR als etwas völlig Unnatürliches, als alle sie noch in Anführungszeichen setzten.

Und ebenfalls wie er empfand ich seinen schärfster Kritiker, Marcel Reich-Ranicki, immer nur irgendwie widerlich.

Und wieder teile ich mit ihm eine wundersame Wandlung. Die von einem Gegner von allem, was nach Rechts und CDU riecht, zu einem Bewunderer der Kanzlerin Merkel.

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Während Walser Geschichten veröffentlichte, machte sie Geschichte.

Walser preist sie auf wunderschöne Weise im heutigen Spiegel Nr. 46.

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https://magazin.spiegel.de/SP/2018/46/160712930/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage

Und würdigt eine ihrer Stärken.

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Und das gilt nicht nur für’s Reden, sondern auch für’s Schreiben.

https://schreibmanblog.wordpress.com/2018/10/29/das-ende/

Das Ende

Hab heute mal wieder einen „Leserbrief“ (so hiess das früher) / Kommentar / Forumsbeitrag auf Spiegel Online geschrieben.
SPON
http://www.spiegel.de/forum/politik/union-und-spd-nach-der-hessenwahl-auf-bewaehrung-thread-820310-4.html

WalserMerkel
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zehn-jahre-mit-angela-merkel-und-jetzt-13922623-p4.html

Mühen der Faulheit & Wonnen der Arbeit

Videokonferenz mit Schwestern

Wenn man alle Lasten wegnimmt, wird alles Last.

Dieser Satz geht mir durch den Kopf, seit ich ihn – sinngemäss – in dem Podcast von Martin Seel gehört habe.

So hat er sich mir eingeprägt, so habe ich ihn verstanden. Ich weiss genau, was ich mir darunter vorstellen kann.

Tugenden&Laster

Es geht darum, dass man kein anhaltendes Glücklichsein erzielen kann, da das Leben aus einem Auf und Ab bestehen muss. Nur wenn man Eiseskälte im Schnee gespürt hat, weiss man die anschliessende wohlige Wärme im Wohnzimmer richtig zu schätzen.

Würde dauernd die gleiche Temperatur herrschen, die weder zu kalt noch zu warm ist, hat man keine Möglichkeit mehr, solche Glücksmomente zu erfahren.

Auf den vergangenen Sommer bezogen könnte man sagen, dass sechs Monate schönes Wetter irgendwann ihre Schönheit verlieren. Es fehlt der Kontrast, wenn es kein schlechtes Wetter mehr gibt. Das ganze, eigentlich „schöne“ Wetter wird nur noch als Last empfunden.

Auf Arbeit und Freizeit bezogen kann man sagen, dass Freizeit nur vor und nach der Arbeit wirklich genossen werden kann. Fallen die Arbeit oder erfüllende Tätigkeit weg, gilt wieder der Satz, dass alles Freizeit und somit Last ist, Muße so zur Last werden kann.

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Vortrag des Frankfurter Philosophen Martin Seel zu „Wonnen der Arbeit und Mühen der Faulheit – Über die Transformation von Tugenden in Laster und Laster in Tugenden“. Zu seinem interessanten „Hörsaal“-Vortrag über Arbeit und Muße geht’s hier.

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/arbeit-mehr-als-nur-geld-verdienen