Weitermachen!

Wenn plötzlich die Tür aufging und ein Feldwebel oder irgend so ein Dienstgrad rein kam, mussten wir alle zur Salzsäule erstarren und die Hand zum Gruss an die Stirn bewegen. Der Stubensprecher sagte dann etwas wie „Stube soundso mit soundsoviel Mann vollständig angetreten.“ Oder so ähnlich.

Sobald er wieder weg war, durften wir also weitermachen. Wobei ich mich immer fragte, was denn. Ich hatte doch grade gar nichts gemacht, als der rein kam.

So ist das wohl bei der Bundeswehr. Es muss immer alles ein Zusammenhang und eine Kontinuität haben und weitergehen, auch wenn gar nichts passiert. Und einen, der einen zum Erstarren bringt, wenn er nicht gerade befiehlt, durch den Matsch unter einem Stacheldrahtzaun durch zu kriechen.

Bei Netflix ist das ja so, dass einem keiner sagt, was gemacht wird. Beim traditionellen Fernsehen dagegen ist es so, dass man alle fünf Minuten mit irgendwelchen neuen Aufforderungen oder Dingen bombardiert wird wie Werbung oder Programmhinweise. Oder dass irgendwelche Moderatoren oder Dummschwätzer dazwischen quatschen oder auffordern anzurufen oder mitzumachen oder sonst einen nervenden Blödsinn als Überleitung zum nächsten dahinlabern.

In die Netflix Filme kann man sich so richtig vertiefen oder fallen lassen. Stundenlang endlose Serien gucken, wobei einen niemand von ausserhalb der eigenen vier Wände unterbricht. Ich habe da in schlaflosen Nächten schon sehr schöne Serien gesehen.

Die alte Art, fernzusehen, kann einen ganz schön zerstreuen und durcheinanderbringen. Man kommt überhaupt nicht zur Ruhe und weiss oft nicht was man dazu sagen oder denken soll. Dauernd überlegt man, ob man überhaupt weiter gucken oder zappen oder ausschalten soll.

Dauernd werden dramatische Ereignisse in den Vordergrund gerückt, mit denen man vielleicht überhaupt nichts zu tun haben will. Also Nachrichten über Katastrophen oder politische Entscheidungen oder dass bald Weihnachten oder Silvester ist. Dauernd scheint alles auf irgendein dramatisches Ereignis zu zusteuern und die Leute werden einfach nur verrückt gemacht.

Da war das Lesen früher irgendwie praktischer. Man musste zwar umblättern, sonst passierte aber nicht viel. Und man hatte immer das Heft in der Hand, wie man so schön sagt.

Und nie brüllte jemand

Weiterlesen!

 

Zehn kleine Negerlein

1. Wenn Du auf Netflix eine Serie siehst, die zehn Folgen hat, wobei in der ersten Episode ein Mord geschieht und auch schon der Täter gefunden wird, denkst Du: „Wie soll das noch weitergehen? Was soll in den übrigen neun Folgen noch passieren?“

2. Zehn kleine Negerlein hiess die deutsche Ausgabe des Krimis Ten little Indians von Agatha Christie. Heute heisst sie Und dann gabs keines mehr. In meiner Filmserie gibt’s nur einen Schwarzen. Der ermordet wird. Und viele Belgier. Skurrile, normale und sonstige.

3. Wenn in der dritten Folge des Films der wahre Mörder dann endlich gefunden scheint, kannst Du Dir doch wieder die Frage stellen, was in den restlichen sieben Episoden wohl noch so passieren könnte.
La-Treve
4. In La Trêve / The Break gibt es einen Mord, der mehrmals aufgeklärt scheint, wonach dann erneut eine unerwartete Wendung eintritt.

5. Der Film spielt in dem fiktiven Ort Heiderfeld in den Ardennen. Er ist eine Produktion des belgischen Fernsehens RTBF (Radio Télévision Belge Francophone). Die deutsche Version ist sehr gut synchronisiert.

6. Der Mörder ist noch immer nicht gefunden. Ich dachte plötzlich daran, dass ich den Film ja auch in der französischen Version anschauen könnte. Ich wechselte also den Audiokanal und vergass, die deutschen Untertitel auszuschalten. So konnte ich ständig feststellen, dass auch diese sehr gut sind. Zum Beispiel wird n’importe quoi ganz richtig und einfach mit Schwachsinn übersetzt. Damit hatte ich damals als Übersetzer manchmal Probleme.

7. Der Name des Handlungsorts Heiderfeld, tief im Ardennenwald, klingt zwar deutsch und ist fiktiv. Im Lauf des Films werden jedoch gelegentlich auch reale Orte wie Lüttich (Liège), Sprimont, Verviers, Jambes und das Flüsschen Semois erwähnt. Bürgermeisterin ist Frau Fischer (Madame Fischäähr).

8. In der achten Folge neue überraschende Wendung. Schätzungsweise die zwölfte oder fünfzehnte. Wenn Du diese Folge siehst, kannst Du praktisch nicht mehr einfach aussteigen und ins Bett gehen. Die Spannung ist so stark angestiegen, dass Du die letzten drei Folgen unbedingt noch in dieser Nacht sehen willst.

9. Wenn ich eine Rezension eines Buchs oder eines Films lese, in der nicht steht, dass es zahlreiche überraschende Wendungen gibt, entsteht bei mir erst gar kein Interesse. Jeder Text oder Film muss ständig unerwartete Wendungen haben, sonst schaffe ich es kaum, die Rezension überhaupt richtig zu Ende zu lesen. Auch wenn sie zu viele Angaben zur Handlung enthält, mindert dies mein Bedürfnis, das Buch zu lesen oder den Film zu sehen, ganz erheblich, wenn nicht gar komm! plett!
LaTreveF
10. So kurz vor Schluss kann man es einfach nicht glauben, dass in der zehnten Folge noch irgendetwas passieren könnte. Aber es bleibt spannend bis! zu! letzt! Ich bin die ganze Folge über sprachlos und fassungslos. Mehr darf hier nicht verraten werden.