Tot in der Badewanne

Der Satz von Michel Houellebecq („Der Künstler ist immer einer, der ebenso gut gar nichts tun könnte, der allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre“) ist in ganz anderer Richtung revolutionär als es zunächst scheint.

Besagt er doch weniger über die Kunst und die Künstler also solche, sondern vielmehr etwas über deren unbedeutende Rolle in der Geschichte und Philosophiegeschichte.

Sie ist tatsächlich gleich null. Ein Gemälde ist dekorativ wie eine Tapete. Es und sie hatten nie einen Einfluss auf den Lauf der Geschichte.

David Tod des Marat

Davids Gemälde „Der Tod des Marat“ hat genauso wenig zur Französischen Revolution beigetragen wie das Theaterstück von Peter Weiss.

Weiss Marat Charenton Sade

Man kann sich als Schriftsteller selbst optimieren und schöne Theaterstücke schreiben, aber die Welt verändert man damit nicht.

Jean-Paul Sartre hatte die Diskussion um die Wirkung von Literatur darauf reduziert, dass es darum gehe, dass Literatur engagiert sein müsse. Kunst um der Kunst willen (L’Art pour l’art) sei konterrevolutionär.

Aber Literaten und andere Künstler können so engagiert sein wie sie wollen. Politisch wirksam sind und bleiben so langweilige Texte wie Parteiprogramme, Gesetze und Twitter-Meldungen.

Laut Houellebecq gibt es seit Schopenhauers Tod 1860 nichts Neues in der Philosophie und Geistesgeschichte. Der Mensch wird in eine schlechte Welt geboren und stirbt in einer ebensolchen.

 

Abt. Kunst, Literatur & Philosophie

Konnte mal wieder nicht einschlafen und habe ein neues Buch angefangen.

Michel Houellebecq, In Gegenwart Schopenhauers

„Der Künstler ist immer einer, der ebenso gut gar nichts tun könnte, der allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre.“
Michel Houellebecq, In Schopenhauers Gegenwart