Fortschritt

Seit einigen Wochen arbeite ich jetzt bei Google. Mein Büro befindet sich nicht weit von meiner Wohnung, im neuen e-Distrikt am Rand von Müllheim. Mein Aufgabenbereich ist die Konfiguration, Koordination und Kontrolle (KoKoKo) unserer Google Map Guides.

So nennen wir die Menschen, die innerhalb unseres fest abgesteckten geographischen Territoriums Bewertungen von Restaurants, Hotels und verschiedensten touristischen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten posten. Dabei fallen Unmengen von Rezensionen, Fotos und Kommentaren an, die gesichtet, geordnet und auf verschiedenste Arten ver- und bearbeitet werden müssen.

Ich stehe auch mit den Teilnehmern auf beiden Seiten in ständiger Verbindung, d.h. ich muss oft zwischen Bewertern und Bewerteten vermitteln. Ich kümmere mich ausserdem um Systeme der Katalogisierung, Belohnung und Motivation unserer Guides und freien Mitarbeiter.

Auf der Seite der Bewerteten übernehme ich u.a. die psychologische Betreuung von Personen und Einrichtungen, die oft niederschmetternde Bewertungen erhalten. Sensible Personen können dabei durch allzu harte Kritik bis zum Selbstmord getrieben werden, so dass es auch zu meinen Aufgaben gehört, dies durch einfühlsame Betreuung und Einwirkung auf beide Seiten zu verhindern.

Meine Tätigkeit im grossen Räderwerk von Google ist nur ein ganz kleiner Teil eines grossen und ständig wachsenden Systems der Datenerfassung und Menschenbetreuung. Mein Büronachbar zum Beispiel befasst sich mit verschiedenen anderen Dienstleistern im Verkehrsbereich, der nächste Nachbar im übernächsten Büro kontrolliert und vergrössert die Datendateien mit Bezug auf wichtige öffentliche und private Serviceunternehmen.

Dank des Unternehmens, in dem zu arbeiten ich die Ehre habe, herrscht hier Vollbeschäftigung. Während die Polizeidienststelle in den letzten fünf Jahren um drei Personen vergrössert wurde, hat meine Google-Zentrale Breisgau im gleichen Zeitraum über 500 neue Mitarbeiter eingestellt, darunter auch mich, als Oberbreisgauleiter. Und das Wachstum hält weiter an.

Die Datenmengen werden immer grösser und Google muss ständig neue Bürogebäude bauen, um der Entwicklung folgen zu können.

Da die meisten Arbeitnehmer es ablehnen, ihren Wohnort zu wechseln, um einen neuen Job zu beginnen, müssen wir unseren Bedarf an Mitarbeitern mit Menschen aus der nächsten Umgebung abdecken.

Es bleibt uns daher auch nichts anderes übrig, als Arbeitnehmer mit sehr hohen Löhnen anzulocken und aus verschiedenen anderen Bereichen abzuwerben, in denen sie relativ wenig verdienen. Dazu gehört z.B. Pflegepersonal und Personal aus verschiedenen Dienstleistungssektoren wie Einzelhandel, Erziehung, Verwaltung und Reinigung.

Ausser den neuen Bürogebäuden errichtet Google hier und überall auch ständig neue Wohnblocks für die hauseigenen Beschäftigten.

Ich kann jedenfalls sagen, dass das fantastische Unternehmen, in dem ich arbeiten darf, ständig wächst und eine glänzende Zukunft vor sich hat.

Heisser Dienstag

Gestern waren wir in der Buddenbrooks- und Marzipan-Stadt Lübeck

https://wp.me/p9tiah-bN

und heute zum Eisessen am Timmendorfer Strand.


Stopp Stopp Stopp

Als ich Hans Imhoff damals in seiner Wohnung in Frankfurt und dann 1977 noch einmal an seinem Stand auf der Buchmesse besuchte, hatte er nur wenig Zeit für mich. Das war aber ganz okay so. Er hatte schliesslich noch einiges zu schreiben. Inzwischen ist er 79 Jahre alt und hat mehr als 70 Bücher veröffentlicht.

HansImhoff

Seine Höhepunkte, was öffentliche Aufmerksamkeit betrifft, hatte er, als ich ihn kennenlernte, schon hinter sich. Er hatte eine Vorlesung von Mitscherlich gesprengt und das Podium von Habermas okkupiert, bis dieser den Hörsaal verliess. Und er hatte die Uraufführung von Peter Handkes „Kaspar“ im Frankfurter „Theater am Turm“ unterbrochen, war auf die Bühne gestiegen, um zu verkünden, er gebe jetzt eine Pressekonferenz. Der Spiegel berichtete.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46050055.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46050057.html

Er stellte unter anderem die Theorie auf, dass es das Kriterium eines modernen Stückes sei, ob es ohne Einbusse an Qualität jede Unterbrechung überstehen und anschliessend fortgesetzt werden könne. Es konnte. Von dem Stück spricht heute zwar niemand mehr und von Hans Imhoff, der sich ganz zum Schreiben und Philosophieren zurückgezogen hat, erfährt die Öffentlichkeit kaum noch was. Seine spektakulären Aktionen haben halt mehr hergemacht.

Lars Eidinger

Quelle: Von Siebbi – Lars Eidinger, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31469376

Wenn Lars Eidinger nicht so ganz anders wäre als Imhoff, würde ich ihn als dessen Nachfolger und Realisator betrachten, allerdings nur was den Teilaspekt der Unterbrechungstheorie anbelangt.

Er benutzt die Bühne ja nicht als Zuschauer, um sie zu entern – weil er als Schauspieler eh schon draufsteht. Er kann jedoch das Stück, in dem er gerade selber mitspielt, anhalten und sich an einzelne Zuhörer im Publikum wenden. Um sie gegebenenfalls auch hinauszubitten. Wenn sie sich zum Beispiel so offensichtlich langweilen, dass sie das Gähnen nicht unterdrücken können.

eidinger2
SZ Magazin 22/2012 vom 01.06.2012

Diese Art, das Publikum direkt und ohne Regieanweisung anzusprechen oder regelrecht zu beschimpfen – was nichts mit Handkes „Publikumsbeschimpfung“ zu tun hat – kennen wir sonst nur von Kabarettisten wie zum Beispiel Matthias Egersdörfer, auf den ich durch den geschätzten Kollegen Trithemius aufmerksam wurde.

https://trittenheim.wordpress.com/2018/08/09/forschungsreise-zu-den-franken-7-grau-fahren/

Dieser ist dabei so echt grob, dass den Zuschauern das Lachen im Gesicht erstirbt und man förmlich sieht, wie sie zu sich selber sagen „Bleib ganz gelassen, das ist ja nur Kabarett, da müssen wir jetzt durch.“

Aber man muss auch mal Stopp sagen können. Wenn man der Meinung ist, dass etwas in die falsche Richtung läuft. Als Goebbels damals im Berliner Sportpalast die Leute fragte, ob sie eventuell ganz gerne den totalen Krieg mögen täten, hätten die Leute – statt im Chor „JA“ zu brüllen – einfach mal die Klappe halten sollen. Solche Entscheidungen muss man doch erst mal überschlafen.

Natürlich weiss man nie im Voraus, wie alles weitergeht. Bei manchen weiss man es wiederum sehr wohl, zum Beispiel wenn zum Krieg aufgerufen wird. Und bei anderen weiss man es überhaupt nicht. Eine Denkpause sollte daher in jedem Fall und immer gestattet sein.

So viel für heute. Was diese Zeilen hier betrifft, wissen wir noch nicht, ob sie den letzten Eintrag einer 2003 begonnenen Serie bilden oder den ersten einer neuen Serie. In letzterem Fall sind sie ein Übergangseintrag und Pausenfüller. Was danach kommt, weiss keiner.

Vielleicht kommt es ja nur noch zu einem weiteren Pausenverlängerungseintrag. Wer weiss.

https://www.google.de/search?q=hans+imhoff+schriftsteller&safe=off&source=lnms&sa=X&ved=0ahUKEwjf5fSf1N_cAhXD-KQKHbb4BsoQ_AUICSgA&biw=1366&bih=631&dpr=1

https://bazonbrock.de/werke/detail/?id=3102§id=2721

Skandal! Text mal 6 in 6 Minuten!

Liebe „Kultbuch“-Leser, heute habe ich Euch eine interessante Mitteilung zu machen. In jedem Fall war sie interessant für mich. Als ich noch selbständiger Übersetzer war, konnte ich einen Tarif von circa 50 € pro Seite in Rechnung stellen. Jetzt habe ich einen Übersetzer gefunden, der mir nur 20 € berechnet, und dies für rund 500 Seiten, das sind also nur 0,04 € pro Seite! 4 Cent statt 50 Euro! Kein Mensch kann zu diesem Preis arbeiten. Das kann nur Künstliche Intelligenz. Jetzt interessiert mich, wie gut die Ergebnisse solcher maschinellen Übersetzungen sind. Ich werde es herausfinden.

Dear „Kultbuch“ readers in English-speaking countries, I have an interesting announcement to make to you today. In any case, it was interesting to me. When I was a freelance translator, I was able to charge a fee of about 50 € per page. Now I have found a translator who charges me only 20 €, and this for about 500 pages, that’s only 0,04 € per page! 4 Cent instead of 50 Euro! Nobody can work at that price. Only Artificial Intelligence can do that. Now I am interested in how good the results of such machine translations are. I’m gonna find it out.

Cari lettori di „Kultbuch“ in Italia, ho un interessante annuncio da fare oggi. In ogni caso, è stata interessante per me. Quando ero un traduttore freelance, sono stato in grado di addebitare una tassa di circa 50 € per pagina. Ora ho trovato un traduttore che mi costa solo 20 €, e questo per circa 500 pagine, che è solo 0,04 € per pagina! 4 Cent invece di 50 Euro! Nessuno può lavorare a quel prezzo. Solo l’Intelligenza Artificiale può farlo. Ora sono interessato a quanto siano buoni i risultati di tali traduzioni automatiche. Lo scoprirò.

Drodzy czytelnicy „Kultbuch“ w Polsce, mam dziś do państwa ciekawą zapowiedź. W każdym razie była dla mnie interesująca. Kiedy byłem tłumaczem niezależnym, mogłem pobierać opłatę w wysokości około 50 € za stronę. Teraz znalazłem tłumacza, który pobiera za mnie tylko 20 €, a to za około 500 stron, to tylko 0,04 € za stronę! 4 Centra zamiast 50 Euro! Nikt nie może pracować za tę cenę. Tylko sztuczna inteligencja jest w stanie to osiągnąć. Teraz interesuje mnie jak dobre są wyniki takich tłumaczeń maszynowych. Dowiedziałam się od razu.

Chers lecteurs du „Kultbuch“ en France, j’ai une annonce intéressante à vous faire aujourd’hui. En tout cas, elle était intéressante pour moi. Lorsque j’étais traducteur indépendant, je pouvais facturer environ 50 € par page. Maintenant j’ai trouvé un traducteur qui ne me facture que 20 €, et ceci pour environ 500 pages, soit seulement 0,04 € par page! 4 Cent au lieu de 50 Euro! Personne ne peut travailler à ce prix-là. Seule l’Intelligence Artificielle peut le faire. Maintenant, je m’intéresse à la qualité des résultats de ces traductions automatiques. Je vais la découvrir.

Beste Kultbuchlezers van Nederland, ik heb vandaag een interessante mededeling voor u. In ieder geval was ze interessant voor mij. Toen ik freelance vertaler was, kon ik een vergoeding van ongeveer 50 € per pagina in rekening brengen. Nu heb ik een vertaler gevonden die me slechts 20 € in rekening brengt, en dit voor ongeveer 500 pagina’s, dat is slechts 0,04 € per pagina! 4 Cent in plaats van 50 Euro! Niemand kan tegen die prijs werken. Alleen kunstmatige intelligentie kan dat. Nu ben ik geïnteresseerd in hoe goed de resultaten van dergelijke machinevertalingen zijn. Ik ben gonna te weten komen.

Queridos lectores de „Kultbuch“ en España y en los países de habla hispana, tengo un anuncio interesante que hacerles hoy. En cualquier caso, ella era interesante para mí. Cuando era traductor freelance, podía cobrar unos 50 € por página. Ahora he encontrado un traductor que me cobra sólo 20 €, y esto por unas 500 páginas, ¡eso es sólo 0,04 € por página! 4 céntimos en lugar de 50 euros! Nadie puede trabajar a ese precio. Sólo la Inteligencia Artificial puede hacer eso. Ahora me interesa saber qué tan buenos son los resultados de estas traducciones automáticas. Voy a averiguarlo.