Zeit läuft

Es gibt so Momente, da kann ich auf die Uhr oder auf den Kalender schauen: Die Zeit schreitet nicht voran, scheint auf der Stelle zu treten. Auf dem Crosstrainer könnte man das noch als normal empfinden, denn man tritt ja tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes auf der Stelle.

Manchmal passiert es mir auch, dass ich einfach innerlich das Gefühl habe, dass die Zeit gerade zu einem Stillstand gekommen ist.

Wenn zum Beispiel irgendwas erst in drei Stunden anliegt, dann kann es mir passieren, dass ich das Gefühl habe, eine lange Wartezeit von drei Stunden vor mir zu haben. Drei Stunden Leere. Nicht Leerlauf, nur Leere. Ich muss dann halt einfach irgendwas machen, sonst geht die Zeit nicht weiter.

Seit ich jetzt etwas reifer – also Rentner – geworden bin, stelle ich im übrigen zwei gegenläufige Veränderungen in meinem Zeitgefühl und Zeitmanagement fest.

Im Grunde habe ich ja alle Zeit der Welt und kann machen, was ich will. Wunderbar.

Nun ist es aber so, dass ich zwar einerseits oft das Gefühl habe, dass ich mich mit nichts beeilen muss, dass ich mir zu allem viel Zeit nehmen kann und dass ich mich von niemandem irgendwie drängeln lassen muss.

Was ich mache, kann ich langsam und sorgfältig tun. Ich habe Zeit und keine Fristen oder dringenden Termine.

img_20180627_171934077729593157.jpg

Wie beendet man ein Telefongespräch? Früher, als Zeit noch Geld war, sagte man: „Lass uns mal Schluss machen, das („Ferngespräch“) wird sonst zu teuer.“ Dass man einen Film zu Ende schauen will, ist nicht nur spiessig, man kann ihn ja auch einfach anhalten.

Dass man noch wichtigere Dinge zu tun hat als am Telefon zu quatschen, geht auch nicht. Ist nicht nur sehr unhöflich sondern auch einfach nicht wahr.

Und „andererseits“? Andererseits habe ich mit zunehmendem Alter jedoch immer öfter im Hinterkopf, dass unsere Lebensdauer begrenzt ist.

Je älter man wird, desto weniger kann man noch längerfristige Planungen vornehmen. Ich bekomme also ein immer deutlicheres Gespür dafür, dass ich mir meine Zeit vernünftig einteilen muss.

Das bedeutet, dass ich im Gegensatz zu dem, was ich unter „einerseits“ dargelegt habe, „andererseits“ keine Zeit zu verlieren habe. Von wegen „Ich habe ja Zeit“. Ja, doch sie wird immer kürzer.

Und irgendwann hört sie dann ganz auf.

So, ich muss jetzt leider schliessen. Habe noch zu tun!