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Podcast „Dieters Bessere Hefte Nr. 4“ – Heute zum Thema: „Hier und jetzt!“

Dauer: 4 Minuten
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https://anchor.fm/dietrich-urich

Wie ich mal in Vichy war

Von einem Pariser Übersetzungsbüro erhielt ich in den 1980er Jahren mal einen schönen Dolmetscher-Auftrag. Ich sollte in Vichy der Witwe Steigenberger zur Verfügung stehen. Ich fuhr also 300 km von Brüssel nach Paris, wo für mich ein Hotelzimmer reserviert und ein Bahnticket nach Vichy hinterlegt war. Dort sollte ich mich dann beim Kurdirektor melden.

Der Mann empfing mich in seinem Büro im Kurhaus und briefte mich. Die Hotelkette Steigenberger wolle ein Wellnesshotel bauen und Madame Steigenberger gerne den Kurort besichtigen. Sie wolle sich ein Bild davon verschaffen, wie gut ein Hotel ihrer Kette in den Ort passen würde.

Vichy hatte seine Glanzzeit ja schon einmal hinter sich gebracht, nachdem keine aus den Kolonien zurückgekehrten Offiziere mehr mit Vichy Wasser ihre in Afrika angegriffenen Verdauungsorgane und Lebern kurieren mussten. Das etwas salzig schmeckende Wasser war dabei vermutlich der Leber ebenso nützlich wie überhaupt jedes Wasser, das als Ersatz für die entsprechende Menge Wein getrunken wurde.

Die Stadt hatte sich dann in den 1960er und 1970er Jahren etwas verjüngt und in Richtung Sport entwickelt. Der Allier staute sich zu einem grossen Wassersport-See und es gab ausser einem Golfplatz viele weitere sportliche und kulturelle Einrichtungen.

Dies alles besichtigten wir zwei Tage lang, an denen wir auch in den besten Restaurants assen und in angeregter Stimmung über alles mögliche reden konnten. Frau Steigenberger genoss ihren Aufenthalt und war wohl ziemlich begeistert.

Sie bedankte sich schliesslich auch bei mir für meine übersetzerischen und sprachvermittelnden Leistungen. Sie habe nicht gewusst, dass ein entspannter und kommunikativer Dolmetscher so viel zu einer guten Atmosphäre beitragen kann, meinte sie. Hat mich natürlich sehr gefreut.

Ich durfte am Abend des zweiten Tages, bevor ich in mein Hotel zurückkehrte, in einem Restaurant auf einem Schiff essen und trinken so viel ich wollte. Auf Kosten des Kurdirektors, der mich dort avisiert hatte. Der mit Pastis flambierte Loup de Mer war ein Gedicht.

Eine weitere Strophe gefällig? Gibt’s zusammen mit einem trockenen Weissen, ein paar Brocken Französisch und ein paar Anmerkungen zum „Stil der Franzosen“ aufm Podcast, Dieters Bessere Hefte Nr. 3, Dauer 9 Minuten, hier.

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Episode 2 – nur 7 Minuten

Dieters Bessere Hefte – heute kürzer & lauter

https://anchor.fm/dietrich-urich

Podcast Episode 1

Es geht los mit Dieters Bessere Hefte. In der Nr. 1 ist die Rede von Baisers, Tankstellen und verschiedenen anderen Dingen. Wirst es ja sehen wenn Du es hörst. Dauer: weniger als 20 Minuten.

https://anchor.fm/dietrich-urich/episodes/Dieters-Bessere-Hefte-Nr–1-e35jn0

Achtung, Einschlafgefahr

War grade ziemlich erschrocken, als ich meine eigene Stimme hörte. Jetzt verstehe ich auch, warum meine Frau immer sagt, ich soll ihr was erzählen, wenn sie nicht schlafen kann.

Und weil’s so schön war, jetzt nochmal 9 Minuten. Zwischen Minuten 1 und 2 bitte Ohren zuhalten wegen starkem Geräusch. Bitte um Entschuldigung.

Obenrum Gedanken

Als ich neulich im Massagesalon, so könnte der Text anfangen. Ich habe ja schon von verschiedenen Damen gesprochen, die sich gelegentlich um meine Füsse, Haare oder Zähne kümmern oder Übungen mit mir machen. Alles sehr intime und private Dinge, wobei einem normalerweise niemand zusieht.

Beim Massagesalon wird das dann noch etwas deutlicher. Ich war schon mal in so einem Thai-Laden, wo die Dame dann einen Vorhang zugezogen hat, bevor sie mich massierte.

Die Unterhose behielt ich an, war also nicht nackter als in einem normalen Schwimmbad, in dem sich auch Kinder und Erwachsene aller Geschlechter amüsieren.

Warum trennte mich bei der Massage ein Vorhang von der Umgebung ab, obwohl das Geschehen dahinter absolut jugendfrei war? Und wo ist überhaupt die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem?

Das Thema hat mich schon immer beschäftigt. Als Student schrieb ich eine Seminararbeit darüber.
Seminararbeit
Jetzt, da ich nicht nur die Studentenzeit sondern sogar eine ganze Berufslaufbahn hinter mir habe, bewegen mich immer noch oder schon wieder Fragen, die direkt oder indirekt damit zu tun haben.
Seminararbeit2
Was kann, will oder soll man in veröffentlichten Texten oder auch unveröffentlichten Tagebüchern von sich preisgeben und was lieber nicht? Und warum? Oder warum nicht?

Soll die Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung so fliessend sein wie die zwischen Scham und Freizügigkeit? Was will man mit welcher Art von Texten bei anderen oder sich selbst bewirken? Oder was verhindern?

Wenn ich in einen Massagesalon gehe, begebe ich mich mit meiner ganzen Privatheit in den öffentlichen Raum, in dem ich auf andere private Personen treffe, die massieren oder massiert werden.

Wo ist die Grenze, die man gewollt oder ungewollt überschreitet, wenn man darüber berichtet?

Sie verläuft wohl immer noch und fast ausschliesslich „untenrum“.

Fortsetzung folgt, oder auch nicht

Damen und Daten

mathe

Also mit Mathematik kenne ich mich ja aus. Ich hab mal in der Nähe von einem internationalen mathematischen Institut gewohnt. Das ist in Oberwolfach im Schwarzwald. Genauer gesagt hab ich in Wolfach gewohnt, wohin ich auch jetzt noch alle drei Monate zu meiner Zahnärztin zur Kontrolle, Zahnreinigung und Prävention fahre.

Ich fahre ja überhaupt ganz gerne zu so verschiedenen Damen, als da wären zum Beispiel noch die nette Fusspflegerin, die neue Physiotherapeutin und die coole Coiffeuse Alexia in Frankreich und ja, mehr fällt mir im Moment nicht ein.

Als Rentner hat man dauernd was zu tun. Man schafft sich so verschiedene Termine, die müssen dann in allerlei Online- und Offline-Kalender eingetragen werden und manchmal hangelt man sich regelrecht von einem Termin zum nächsten.

Also ich schaue nach vorne auf den nächsten in sechs Tagen zum Beispiel, an dem Tag kann ich dann auch nix anderes unternehmen. Und am Tag nach dem Termin denke ich dann noch an den Tag vorher zurück und vielleicht auch einen Tag später noch mal zwei Tage zurück und dann fange ich auch schon wieder an voraus zu denken, also zum nächsten Termin, der manchmal dann auch erst in einer Woche ist zum Beispiel.

Allein dieses Warten und diese Vorausblicke und Rückblicke, die halten einen ja fast schon mehr in Atem als die Termine selber. Die gehen meistens ziemlich schnell vorbei. Also Fusspflege dauert etwa 20 bis 30 Minuten, Zahnärztin einschliesslich Wartezeit 1 Stunde und dann noch 1 Stunde Hinfahrt und 1 Stunde Rückfahrt, weil das 100 km entfernt ist.

Die Friseurin ist im französischen Hyper U Supermarkt Geschäftszentrum, da fahre ich dann auch schon 1 Stunde vorher los und geh dann hinterher noch einkaufen.

Die Physiotherapeutin, die mir zur Zeit ganz besonders am Herzen liegt, wenn ich das mal so sagen darf, weil ich da wirklich Fortschritte fast im wörtlichen Sinne des Wortes verzeichnen kann, weil es ja um das Gehen und Laufen geht, also da bin ich fast eine ganze Stunde. Und für den Rest des Tages bin ich dann echt gut drauf und das hält auch manchmal noch recht lange an.

Bis zur Fusspflege sind es jetzt halt wieder noch ein paar Tage. Aber naja die gehen auch noch rum.

Jetzt bin ich aber vom Thema abgeschwiffen. Wollte ja eigentlich von Mathematik reden. Ich machte mir nämlich so meine Gedanken darüber, wie sich diese ganze Finanzgeschichte weiterentwickeln wird, wenn man immer mehr bargeldlos bezahlt. Dann wird jedes Pfund Zucker und jede Tüte Milch, die täglich in ganz Deutschland an Millionen von Menschen verkauft werden, das wird ja dann alles datenmäßig erfasst. Alles. Ich rede jetzt nicht nur von Milch und Zucker.

Das werden dann insgesamt überhaupt so viele Datenmengen, die ja immer nur noch unübersichtlicher und grösser werden, so dass die Mathematiker und sonstigen Spezialisten, die sich mit diesem ganzen Geld- und Börsenkram, Versicherungen, Finanzpolitik und so weiter beschäftigen, immer mehr Arbeit bekommen.

Dann wird auf unser Forschungsinstitut im Schwarzwald noch einiges zukommen.

Durch die Zahnlücke gesagt

Kaum hat man mal ein bisschen Platz zwischen zwei Zähnen, durch die dann der Atem entsprechend etwas anders strömt, muss man gleich ein paar Telefongespräche führen. Aber es ging.

Meine Frau meinte sogar, mit dieser Zahnlücke wäre ich noch geschwätziger als sonst, gerade als ob ich etwas beweisen wollte. Wie dem auch sei, die Lücke wird nur 24 Stunden lang offen geblieben sein, dann ist wieder Ruhe.

Ich erzählte meiner Frau beim Frühstück ein paar Dinge, die mir so durch den Kopf gingen. Sie meinte, dass das fast schon eine Vorlesung gewesen wäre, was ich ihr da so erzählte. Naja, eher Halbwahrheiten eines Halbgebildeten, würde ich mal sagen wollen.

Ich sprach also von Roland Barthes, Strukturalismus und „Der Tod des Autors“. Ich war ja schon immer gegen Personenkult und habe mich auch früher im Deutschunterricht immer gewundert, warum die Dichter immer etwas Engagiertes sagen sollen oder wollen, so wie es später Jean-Paul Sartre verlangt hat. Und die Leser sollten das dann herausfiltern oder interpretieren.

Warum konnten die das denn nicht direkt sagen, sondern mussten erst ein Theaterstück wie „Biedermann und die Brandstifter“ schreiben, um ihre These zu verdeutlichen. Dass es halt die Biedermänner waren, die die Nazis an die Regierung brachten.

Das scheint vielleicht alles etwas wirr, was ich jetzt sage, aber die Leser mögen es meiner Zahnlücke zugute halten. Ich muss halt schnell noch etwas diktieren, bis ich wieder in meinen normalen Schweigeton verfalle.

Also was ich sagen wollte. Eigentlich sollte es uns ja egal sein, wie ein Dichter oder sonst ein Schreiberling etwas gemeint hat und was er aussagen wollte, vor allem auch wenn er schon längst tot ist.

Was zählt, sind doch eigentlich nur die Texte, die er hinterlässt und die von der Leserschaft dann vielleicht ganz anders verstanden werden als wie sie ursprünglich gemeint waren.

Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich versuchen will, zu verstehen, wie was gemeint war. Und das durchaus in guter Absicht.

Manche machen es auch in schlechter Absicht wie zum Beispiel der Autor von Spiegel Online, der einen Satz eines Dschungelcampers bewusst falsch zitierte, um ihn lächerlich zu machen. Peter Orloff hatte nämlich gesagt, und das habe ich selber gehört, dass Aufgeben keine Option ist. „Nie aufgeben! Ist keine Option!“

Der Spiegel-Autor zitierte ihn dann falsch mit: „Nie aufgeben ist keine Option!“ Eine kleine Veränderung des Satzzeichens, der den ganzen Satz in sein Gegenteil verkehrt.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-ibes-tag-12-nie-aufgeben-ist-keine-option-a-1249392.html

Man muss halt oft ganz genau lesen. Nicht nur, um herauszufinden, was der Autor beabsichtigt hat, sondern auch, um darauf zu achten, was er an Falschinformationen verbreitet.

Okay, das wollte ich nur mal gesagt haben. Jetzt fahre ich zum Dentallabor und hole mir das reparierte Teilchen zurück.

Damit ich wieder den Mund halten kann.

Sauber!

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Als ich die Schachtel Doigts Nets Feuchttücher im Regal des Intermarché sah, musste ich spontan an Les doigts dans le nez et le pouce dans le cul denken. Den Finger in der Nase und den Daumen im Arsch. Doigts Nets heisst natürlich nur Saubere Finger. Trotzdem würde es mich nicht wundern, dass diese vorweihnachtliche Produktbezeichnung absichtlich und mit so einer Art Augenzwinkern gewählt wurde.

Das Produkt habe ich jetzt halt eben. Und irgendwie und irgendwann werde ich es auch sicher brauchen können, wofür auch immer. Wobei ich jetzt überhaupt nicht an Monk denke, dem seine Assistentin immer schnell ein Tuch! Tuch! reichen muss, wenn er jemandem die Hand gegeben hat. Meine Frau würde das nie machen. Und ich auch nicht.

Was das Einkaufen betrifft, haben wir neulich den Aldi für uns entdeckt. In so einem Konvent kann man ja nicht nur billig, sondern auch wirklich gut einkaufen. Als erstes wäre da mal die Leberwurst, die wir dort zufällig beglückwünschten. Die enthält ja sehr viel Vitamin B12, was für Leute, die mehr zu vegetarischer oder legaler Kost tendieren, schon mal ganz wichtig sein kann.

Dieser Eintrag enthält ein paar grobe Fehler, die ganz offensichtlich sind. Schon bemerkt? Wieviele? Ich bin ja sonst eher der Typ, der weniger auf die Preise achtet, weil es mir – Achtung, Kalauer! – wurscht ist, ob irgend so ein Artikel 1,29 € oder 1,69 € kostet. Wenn man aber den ganzen Einkauf, den man sonst beim Rewe macht und dann mit 50 € an der Kasse begleicht, betrachtet, sind es bei dem genannten Discounter nur plusminus 25 €. Da freut sich doch das innere Sparschwein.

Obwohl, was das Benzin betrifft, da schaue ich nicht auf den Preis. Ich mache da auch keine Umwege für. Meine Aral Tanke hat rund um die Uhr geöffnet und verkauft auch frische Obst- und Backwaren sowie Bettwäsche. Und jemand, der es wissen muss, hat mir neulich bestätigt, dass man mit dem Ultimate 102 nicht nur den Motor reinigt (meiner hat schon über 200.000 Kilogramm) sondern auch mehr Kilometer macht.

So habe ich dann letzten Endes doch wieder gespart.

Sprachliche Ostereier

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In manchen Sätzen steckt ja manchmal ein Wort, das irgendwie falsch ist oder nicht passt und beim Lesen oder Hören einfach überlesen oder überhört wird.

Gestern beim Rossmann war vor mir so ein junges Paar an der Kasse, wo der Mann zum ersten Mal mit seinem Handy bezahlen wollte. Er fragte die Kassiererin, ob das geht. „Natürlich, bei uns geht alles“, sagte diese ganz keck. „Das ist ja auch sehr praktisch.“ Woraufhin der junge Mann meinte: „Ja, aber die Bank muss mitspielen.“

Aha, dachte ich, das ist ja ein ganz toller Typ, dass der eine Bank hat, die mit ihm mitspielt. Ich habe bei meiner Bank ja immer eher das Gefühl, dass sie nicht mit mir mitspielt, sondern nur mit mir spielt. Oder mir gar übel mitspielt.

Ich hab mir mein Online Banking dann mal angesehen und festgestellt, dass auch ich mein Handy zum Bezahlen nutzen kann. Ich musste mir einfach nur die entsprechende App runterladen.

Was solche Wörter betrifft, die gerne übergangen oder überflogen werden, baue ich sie manchmal extra als kleines Bonbon in meine Texte ein. So zum Beispiel in meinem vorvorigen Eintrag Hart auf hart, wo ich den Schlagertitel „Atemlos“ so versteckt habe: ich war bald ein bissle ausser Atem. „Los!“ sagte sie mehrmals und was von mit geschlossenen Augen an die Decke schauen schrieb.

Im Eintrag davor, Gänseleber für Arme, erwähnte ich Supermarkt-Verkaufsaktionen vor Ostern, zum Valentinstag und zum Internationalen Frauentag. Letzterer ist natürlich überhaupt kein besonderer Verkaufstag, was eine Leserin denn auch tatsächlich im Kommentar feststellte. Worauf ich ihr gestand, dass ich das nur testweise geschrieben hätte, um zu sehen ob’s jemand merkt.

Und was soll ich sagen? Auch gestern Abend in der Stunde danach hörte ich ein schönes Osterei von Désirée Nick über die Dschungelcamp-Teilnehmerin Sibylle Rauch. Wer findet es und weiss, welches Wort gemeint war?

Ihr bayrischer Akzent verleiht ihrer Stimme noch eine besonders charmante Makulatur.